Sport : Gestatten: Florian Mayer, Vollprofi

Christiane Walker

Wimbledon – Florian Mayer ist kein Mann der großen Gefühlsausbrüche. Er versucht, sich unter Kontrolle zu halten, und damit hat er es auf dem Tennisplatz weit gebracht: In Wimbledon ist der 20 Jahre alte Bayreuther bis ins Viertelfinale gekommen. Als er am Mittwochabend dann 5:7, 4:6 und 2:6 gegen den Franzosen Sebastian Grosjean ausschied, war seine Gefühlslage wieder nur schwer zu deuten. Die Enttäuschung kroch ihm fast unbemerkt ins Gesicht, als er seine Niederlage erklären sollte. „Ich hatte keinen besonderen Druck gespürt, weil es ums Halbfinale ging. Aber ich bin schon ein bisschen enttäuscht. Ich habe meine Chancen gehabt, sie aber nicht genutzt“, sagte er.

Er hat sich selbst noch ein kleines Rätsel aufgegeben. „Irgendwie hat während des Spiels die Konzentration nachgelassen, ich war mit den Gedanken nicht bei der Sache.“ Mit zwei Breaks hatte er jeweils die ersten beiden Sätze eröffnet. Grosjean gab ihm durch reihenweise fehlgeschlagene erste Aufschläge noch mehr Spielraum. Doch Mayer wusste ihn nicht zu nutzen. Später wurde er gefragt, ob ihm denn niemals auf dem Court 1, der Gedanke gekommen war: „Du stehst hier im Viertelfinale des größten Rasenturniers der Welt?“ Er antwortete: „Ja schon. Und das war wahrscheinlich auch mein Problem. Im letzten halben Jahr bin ich dadurch vorangekommen, dass ich immer gekämpft, nie locker gelassen und mich voll auf den Ball konzentriert habe. Das war diesmal nicht der Fall.“

Das Turnier in Wimbledon mag für Mayer zu Ende sein, doch seine Karriere hat gerade erst begonnen. Sein Viertelfinal-Einzug bringt ihn unter die ersten fünfzig der Weltrangliste: Bei großen Turnieren wird er nun ins Hauptfeld gesetzt. Wimbledon hat Mayer sozusagen zum Vollprofi gemacht. „Jetzt kennen sie mich alle“, sagt er mit ein bisschen Stolz. Nach ein paar Tagen Pause geht es gleich mit dem Turnier in Gstaad weiter. Und im August folgen möglicherweise sogar die Olympischen Spiele. Der Deutsche Tennis Bund hat dem Nationalen Olympischen Komitee eine Liste mit deutschen Spielern zukommen lassen. Es steht der Name Mayer drauf.

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