Sport : Gesunkene Hoffnung

Benedikt Voigt

Man muss es laut sagen, weil es nicht alle mitbekommen haben dürften: Gestern Nachmittag ist deutsche Sportgeschichte geschrieben worden! Lange, sehr lange hat diese Nation auf den ersten Erfolg im America’s Cup warten müssen, 156 Jahre. Das heißt, richtig gewartet hat man hierzulande nicht, es ist ja nie zuvor ein deutsches Boot bei der bedeutendsten Segelregatta der Welt mitgefahren. In diesem Jahr aber segelt eines mit, es heißt „Germany I“ und hat, wie gestern zu sehen war, das chinesische Boot besiegt.

Wie, Sie haben es nicht gesehen? Das ist das große Problem des deutschen America’s-Cup-Teams. Das ZDF hat sich nach bisher sechseinhalb Flautentagen endgültig verabschiedet aus der Liveberichterstattung. Inzwischen sendet zum Entsetzen der deutschen Sponsoren und Marketingfachleute in Valencia nur noch der Pay-TV-Sender „Arena“. Der America’s Cup ist ein Wettbewerb für Segelspezialisten geworden, dabei sollte in Deutschland das Interesse der breiten Öffentlichkeit am Segeln geweckt werden. Doch diese Hoffung ist während der Flautentage von Valencia im Meer versunken.

Der gestrige Sieg bedeutet nicht viel für das Team Germany. Sportgeschichte schön und gut, das deutsche America’s- Cup-Team hat wichtigere Sorgen. Weil die Anzahl der Wettkampftage reduziert ist, geht es nun darum, überhaupt noch ein paar Mal segeln zu können. Falls nicht, hätte man 100 Millionen Euro ausgegeben – und wäre noch nicht einmal bei „Arena“ zu sehen.

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