Sport : Geteilte Gelassenheit

Bremen büßt Punkte ein – wahrt aber die Contenance

Felix Meininghaus

Gelsenkirchen. Sieht so ein Mann aus, der sich Sorgen macht oder gar Angst hat? Sicher nicht: Locker stand Thomas Schaaf vor dem Umkleidetrakt der Arena Auf Schalke, den hellbraunen Kaschmir-Mantel lässig über den Arm gefaltet, und plauderte über die Geschehnisse beim torlosen Unentschieden. Ob er mitbekommen habe, dass dem Verfolger aus München gegen den HSV das späte Siegtor geglückt sei, wurde der Bremer Trainer gefragt. Da lächelte Schaaf und erzählte, er habe tatsächlich zum gigantischen Videowürfel geschaut, als das Ergebnis eingeblendet wurde. Zufall sei das gewesen, „es interessiert mich eigentlich nicht, was die anderen machen. Ich schaue nur auf uns.“

Es war einer dieser Sätze aus der Phrasenkiste des Profifußballs, dem Trainer des Tabellenführers darf man solche Statements jedoch abnehmen. Auch wenn der Vorsprung auf die Bayern ein wenig geschmolzen ist, beträgt er doch sieben Punkte. Da können sie in München so viel von Aufholjagd tönen, wie sie wollen, in Bremen ist das kein Grund, die Contenance zu verlieren. Im Gegenteil: Die Gelassenheit, mit der sie das 0:0 kommentierten, hatte etwas Staatstragendes. „Die Situation hat sich für uns nicht geändert“, sagte Manager Klaus Allofs. „Bayern hat ein leichtes Heimspiel 1:0 gewonnen, wir haben bei einer schweren Auswärtsaufgabe einen Punkt mitgenommen, mit dem wir zufrieden sein können.“

In Bremen lässt sich 13 Spieltage vor dem Saisonende niemand vom eingeschlagenen Weg abbringen, der zum Gewinn der Meisterschaft führen soll. Daran ändert auch nichts, dass Werder auf Schalke nicht brillant spielte, sondern solides Handwerk mit allerlei Nachlässigkeiten im Passspiel ablieferte. Immerhin standen die Bremer in der Abwehr sicher. Dass der entscheidende Schlag diesmal nicht in letzter Minute geführt werden konnte, störte Kapitän Frank Baumann nicht: „Wir haben die Messlatte mit schönem Fußball und teilweise spielerisch leichten Siegen sehr hoch gehängt. Diesen Level erreichen wir momentan nicht.“ Nicht einmal eine Mannschaft wie Real Madrid könne „die ganze Saison lang überragende Spiele abliefern“, führte Baumann aus. Und Jupp Heynckes sagte, manchmal müsse man das Gute in einem Fußballspiel auch erkennen können, wenn auf dem Rasen nichts Spektakuläres geschehen sei. Nach dem vierten Spiel in Folge ohne Gegentor versteht der Schalker Trainer nicht, „dass viele solch ein 0:0-Spiel kritisch sehen“.

In Bremen glauben sie fest an die eigene Stärke. Und deshalb hat Schaaf auch nur kurz die Augenbrauen hochgezogen, als jemand wissen wollte, ob er in der Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Dortmund etwas verändern werde: „Selbstverständlich werden wir trainieren wie immer“, hat Werders Trainer mit der ihm eigenen trockenen Art versichert. „Warum sollten wir was anders machen? Wir sind doch gut drauf.“

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