Sport : Geteilte Meinung bei Hertha BSC über die Auslosung

Klaus Rocca

Für Manager Dieter Hoeneß, in Monte Carlo vor Ort, war es "Lospech", für Trainer Jürgen Röber eine "phantastische Auslosung". Abwehrspieler Hendrik Herzog ordnete sein Team so ein: "Gegen Famagusta waren wir Favoriten, in der Champions League sind wir kleine Mäuse". Wie auch immer: Hertha BSC wird bei der Rückkehr in die europäische Elite gleich ins kalte Wasser geworfen. Bei der Auslosung der acht Gruppen in der Champions League meinte es Fortuna nicht gerade gut mit den Berlinern. In der Gruppe H bekommen sie es mit dem AC Mailand, FC Chelsea und Galatasaray Istanbul zu tun. Allesamt schwere Brocken, für den Parvenu Hertha wohl zu schwer, um einen der drei ersten Plätze zu ergattern.

Röber hängte die Messlatte dann auch gleich niedrig: "Wir wollen lernen. Dazu ist die Gegnerschaft ideal." So ein klein wenig will er die Konkurrenz natürlich auch ärgern. Zumindest in den Heimspielen rechnet er sich Chancen aus. In denen erwartet Hoeneß stets ein ausverkauftes Haus. Zum Auftakt muss Hertha allerdings reisen. Gastgeber ist dann am 15. September Galatasaray Istanbul. Ob die Partie zu jenem Zeitpunkt überhaupt stattfinden wird, ist noch ungewiss. Es könnte sein, dass die Uefa wegen der Erdbeben-Katastrophe in der Türkei das Spiel auf einen anderen Termin legt. Sollte Galatasaray der Einladung Tennis Borussias zu einem Benefizspiel in Berlin Folge leisten, hätte Röber die Chance, den Gegner schon vorher in Augenschein zu nehmen.

Am 21. September empfängt Hertha im Olympiastadion den FC Chelsea, eine Woche später tritt Hertha in Mailand an. Röber: "Ob wir so attraktiv sind, dass wir denen das Stadion füllen, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht ist aber gerade das für uns ein Vorteil." Hertha spielte übrigens schon einmal, damals im Uefa-Pokal, gegen den AC Milan. Im Hinspiel verloren die Berliner 2:4, konnten im Olympiastadion beim 2:1 die Scharte nicht mehr ganz auswetzen und schieden aus. Allerdings sehr achtbar. Die Rückspiele sind für den 20. Oktober (Mailand), 26. Oktober (Galatasaray) und 3. November (Chelsea) angesetzt. Besonders beim Heimspiel gegen die Istanbuler könnte es hoch hergehen. Zur Erinnerung: Bei der EM-Qualifikation 1983 gegen die Türkei (5:1) herrschte bei Berlins Polizei höchste Sicherheitsstufe.

Röber meinte mit einem Wortdreher, man dürfe "die Füße nicht unter dem Boden verlieren". Sollte heißen: Hertha ist in der Gruppe krasser Außenseiter. Bekanntlich kommen die ersten beiden Klubs jeder Staffel weiter, der Drittplatzierte darf in der dritten Runde des Uefa-Pokals spielen. Nur der Letzte scheidet aus. Hertha beginnt bereits morgen (10 Uhr, Osttor des Olympiastadions) mit dem Vorverkauf für die drei Champions-League-Heimspiele. Dabei werden erst die 25 130 Besitzer von Dauerkarten bedient, deren Verkauf jetzt übrigens eingestellt wurde. Der offizielle Kartenverkauf beginnt am Mittwoch nächster Woche. Dabei werden gegenüber den Preisen in der Bundesliga Zuschläge erhoben.

So ganz nebenbei, für Röber mit Priorität, spielt Hertha auch noch in der Bundesliga. Für das morgige Spiel gegen Werder Bremen (15.30 Uhr) sind bereits 40.000 Karten abgesetzt worden. Ob Eyjölfur Sverrisson dabei sein wird, ist noch offen. Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher hatte die Bilder der Kernspintomographie am Abend noch nicht ausgewertet. Heute soll sich entscheiden, ob der Isländer operiert werden muss.

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