Sport : Geteilter Sieg, doppelter Sieg

Janda und Ahonen gewinnen gemeinsam die Vierschanzentournee

Benedikt Voigt[Bischofshofen]

Janne Ahonen legte den rechten Arm um Jakub Janda. Der tschechische Skispringer tat es ihm gleich. Frierend, aber glücklich standen die beiden schweigsamen Rivalen Schulter an Schulter in der kalten Nacht von Bischofshofen. Als der Stadionsprecher etwas von einem historischen Ergebnis in sein Mikrophon rief, stiegen sie auf die höchste Stufe des Podiums. Gleichzeitig.

Jakub Janda und Janne Ahonen haben ein einmaliges Ergebnis erzielt: Beide haben vor dem Norweger Roar Ljökelsoy die 54. Vierschanzentournee gewonnen. Nach jeweils vier Schanzen, acht Sprüngen und 40 Punktwertungen haben der Tscheche und der Finne exakt die gleiche Punktzahl erreicht: 1081,5. "Das ist unfassbar", sagte Ahonens Trainer Tommi Nikunen, "aber das ist nur gerecht." Die beiden Skispringer hatten sich seit dem ersten Springen in Oberstdorf ein dramatisches Duell geliefert. So spannend, dass Jandas letzter Sprung die Tournee entscheiden musste.

Einsam saß der Tscheche auf dem Absprungbalken im Bischofshofener Wald. "Ich war sehr nervös", erzählt Janda. Er führte zwar noch mit drei Punkten, doch Ahonen hatte unmittelbar vor ihm mit 141,5 Metern den längsten Flug des Abends vorgelegt. Zitternd, ob der Kälte oder der Spannung, blickt n die tschechischen Fans nach oben. Ihr Landsmann rauschte durch die Anlaufspur, flog weit - aber nicht weit genug. Er landete zweieinhalb Meter hinter seinem Rivalen und musste plötzlich um den Turniersieg bangen. Doch als hinter Jandas Namen in der Gesamtwertung Rang eins aufleuchtete, durfte er jubeln. Janne Ahonen sagt: "Da habe ich geglaubt, dass ich verloren habe."

Auch sein Trainer erhielt per Funk die traurige Nachricht, Ahonen habe zwar das Springen von Bischofshofen gewonnen, aber in der Gesamtwertung liege Janda einen Punkt vorne. "Da war ich schon etwas enttäuscht", sagt Nikunen. Zumal Janda bei seinem ersten Sprung mit einer 20,0 belohnt worden war - von dem tschechischen Punktrichter. Als der finnische Trainer aber die Ergebnis sah, stutzte er. "Moment mal", erinnert er sich, "wir lagen vor Bischofshofen mit zwei Punkten zurück und jetzt haben wir mit zwei Punkten gewonnen, was bedeutete das?" Ungefähr zur gleichen Zeit hatten auch alle anderen verstanden: Es gibt zwei Sieger.

Erleichtert konnten die beiden besten Skispringer der Welt nun über die Siegesprämie scherzen. "Wer bekommt jetzt das Auto", fragte Janda. Ahonen antwortete: "Der bessere Fahrer." Das könnte Janda sein, der als Hobby Autofahren angibt. Es könnte allerdings auch der Finne sein, der im Sommer Rennen mit Hochgeschwindigkeitsautos fährt. Doch ein Rennen zwischen Janda und Ahonen wird es nicht geben. Jeder erhielt in Bischofshofen für seine außergewöhnliche Leistung ein Luxusauto.

Für Ahonen ist es nichts Neues mit einem neuen Gefährt von der Tournee heimzukehren. Drei dieser Karossen stehen bereits bei ihm zu Hause in Lahti. Mit seinem vierten Tourneesieg zieht er nun sogar in den Sportgeschichtsbüchern mit Jens Weißflog gleich. Es ist dem Finnen in den nächsten Jahren zuzutrauen, dass er sich diesen Rekord alleine sichern wird. "Aber jetzt denke ich noch nicht an das fünfte Mal.", sagte Ahonen.

Die deutschen Skispringer müssen in kleineren Dimensionen denken. Georg Späth und Michael Uhrmann belegten in der Gesamwertung die Ränge zehn und elf. Zwei Plätze schlechter als im Vorjahr. "Damit kann man natürlich nicht zufrieden sein", sagte Bundestrainer Peter Rohwein. In Bischofshofen kam Uhrmann auf Rang zwölf, Späth nur auf Rang 22. Immerhin durfte sich der leidgeprüfte Bundestrainer über einen siebten Platz von Alexander Herr freuen, der in der Gesamtwertung auf Rang 19 kam. "Ich bin glücklich, dass es in die richtige Richtung geht bei mir", sagte der Schonacher. Die deutschen Skispringer versuchen nun am kommenden Wochenende bei der Skiflug-Weltmeisterschaft am Kulm in Bad Mitterndorf, sich für die mäßigen Resultate bei der Vierschanzentournee zu rehabilitieren. Rohwein sagt: "Wir wollen mit der Mannschaft vorne dabei zu sein."

Bei den Einzelspringen aber kann es nur zwei Favoriten geben: Janne Ahonen und Jakub Janda. "Beide springen zurzeit sehr viel weiter als alle anderen", sagt Nikunen. Vielleicht kann die Naturschanze von Bad Mitterndorf klären, wer gegenwärtig der bessere Springer ist. Den vier Schanzen zuvor ist das nicht gelungen.

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