Sport : Geteiltes Glück

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Von Arjen Robben ist bekannt, dass er niemanden so sehr schätzt wie sich selbst und es als größtmöglichen Affront betrachtet, wenn andere andere Präferenzen haben. Auswechslungen empfindet der Stürmer in Münchner Diensten als schwere Beleidigung, und der dafür zuständige Trainer kann von Glück sagen, wenn ihm Robben beim Abgang nur den Handschlag verweigert. Ähnliches lässt sich von seinem Kollegen Franck Ribéry sagen, und dass die beiden dennoch gut miteinander auskommen, liegt daran, dass sie weit von einander entfernt auf gegenüberliegenden Seiten des Fußballplatzes ihrer Arbeit nachgehen.

Am Samstagabend haben die beiden sich geradezu beglückt auswechseln lassen, obwohl noch reichlich zu spielen war und viele Tore zu erzielen gewesen wären gegen Hertha BSC. Robben und Ribéry ließen die Gelegenheit bedenkenlos sausen und erfreuten sich am gemeinschaftlichen Glück. Das verspricht einiges für die Zukunft des FC Bayern München.

Der Erfolg der vergangenen Wochen hat das Münchner Klima so radikal verändert, wie es im globalen Maßstab das Ozonloch kann. Erfolg definiert sich im Fußball über mehr als nur die Summe der Einzelnen. Erst die Wertschätzung des anderen und die Bereitschaft, für diesen über die eigenen Grenzen zu gehen, generiert die Vorzüge einer Gemeinschaft. Selten wirkten die Bayern so fröhlich und in sich ruhend wie in Berlin, in logischer Tradition zu den vorherigen Schützenfesten über Hoffenheim und Basel.

Individuelle Qualität ist das eine. Aber der entscheidende Unterschied bei dieser Persiflage eines Fußballspiels am Samstagabend war, dass die Mannschaft in den blauen Leibchen eine zusammengewürfelte Zweckgemeinschaft darstellte und die in den roten aus elf, nun ja, beinahe Freunden bestand. Wie sonst hätte der Egomane Arjen Robben seinem Nebenmann Mario Gomez liebevoll die Ausführung seines Elfmeters überlassen?

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