Sport : Geteiltes Leid

Dortmund und Schalke scheitern im Uefa-Pokal – den Schaden hat die ganze Bundesliga

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Es gab verschiedene Möglichkeiten, auf dieses Desaster zu reagieren. Allein bei der Dortmunder Borussia waren es drei unterschiedliche, nachdem der Klub genauso wie der FC Schalke 04 schon in der zweiten Runde des Uefa-Pokals gescheitert war und damit zum ersten Mal seit fünf Jahren kein deutscher Klub die dritte Runde erreicht hat. Möglichkeit eins wählte Trainer Matthias Sammer, und sie lautete: Distanz zu sich selbst aufbauen. „Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn Werder Bremen oder Bayer Leverkusen den deutschen Fußball im Uefa-Cup vertreten hätten.“ Für Möglichkeit zwei, die Gelassenheit, entschied sich der Dortmunder Abwehrspieler Christian Wörns: „Solche Perioden gibt es immer. Ähnliche Diskussionen hat es früher auch in Italien oder Frankreich gegeben.“ Die klarste Reaktion zeigte die Aktie der Dortmunder Borussia: Sie fiel um 4,74 Prozent.

Vielleicht wäre es wirklich besser gewesen, Bremen oder Leverkusen hätten am Uefa-Pokal teilgenommen und nicht fünf Klubs, die in dieser Bundesligasaison allesamt unter ihren Erwartungen bleiben. Die Dortmunder haben jedenfalls nicht nur sich selbst geschadet und „des guten Rufs von Borussia Dortmund unwürdig“ gespielt, wie Sportdirektor Michael Zorc formulierte. Sie haben es auch der Bundesliga sehr viel schwerer gemacht, einen weiteren Startplatz im Europapokal zu erreichen. England, Frankreich, Italien und Spanien sind mit jeweils drei Mannschaften in der dritten Runde vertreten.

Aus dem Duell zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC wird nach dem Ausscheiden der Schalker am kommenden Sonntag im Olympiastadion ein Gipfel der Verlierer. Was die Berliner genauso wie der Hamburger SV und der 1. FC Kaiserslautern schon hinter sich haben, widerfuhr den Schalkern am Donnerstagabend: das Scheitern im Uefa-Pokal. Sie schieden gegen Bröndby Kopenhagen aus. Jupp Heynckes, der leidgeplagte Trainer des FC Schalke, sieht sich „vor einem Berg von Schwierigkeiten“, ist aber fest davon überzeugt, eines (fernen) Tages den Gipfel zu erklimmen. „Es werden bessere Zeiten kommen“, sagt Heynckes. „Wir brauchen einen langen Atem, und den werden wir auch haben.“

Alles halb so schlimm? Wirtschaftlich sehen die Schalker sich weiter auf der sicheren Seite. Nach offizieller Lesart war der Auftritt in Kopenhagen keine Frage des Geldes. Manager Rudi Assauer hatte das Spiel zum Charaktertest ausgerufen. „An erster Stelle steht die Ehre, nicht der wirtschaftliche Erfolg.“ Am Ende stand der Misserfolg, sportlich und wirtschaftlich. Und wie steht es um die Ehre der königsblauen Kämpfer? Gut, sehr gut sogar. So hört es sich jedenfalls an. Heynckes war voll des Lobes. „Ich habe eine Mannschaft gesehen, die zusammenhält. Wenn wir uns auf diesen Teamgeist besinnen, werden wir in der Bundesliga punkten.“

Als Verlierer im Elfmeterschießen fühlen die Schalker sich nicht unehrenhaft aus dem Europapokal entlassen. Besondere Meriten haben sie sich aber auch nicht erworben. Gravierende Folgen für den Verein sieht Assauer nicht. Auch wenn Schalke früher gescheitert ist als erwartet, will der Manager an seiner Offensive auf dem Transfermarkt festhalten. Wirkt sich der Abschied von der europäischen Bühne wirklich nicht auf geplante Spielerverpflichtungen aus? „Von unserer Seite überhaupt nicht“, behauptet Assauer. Auch für umworbene Profis werde sich an der Attraktivität des Klubs nichts ändern. „Schalke ist mittlerweile so interessant, dass sie auch zu uns kommen, wenn wir nächstes Jahr nicht international spielen.“

Den Blick aufs größere Ganze hat Assauer jedoch nicht verloren. Für die Bundesliga sei es „eine Katastrophe, dass alle fünf teilnehmenden deutschen Klubs nach zwei Runden ausgeschieden sind“. Für Schadenfreude in Richtung Borussia Dortmund sieht Assauer nicht den geringsten Anlass. Geteiltes Leid ist in diesem Fall halbes Leid.

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