Sport : Getrübte Freude

Hertha BSC überzeugt beim 1:1 gegen Eindhoven – Tolga Cigerci fällt bei den Berlinern drei Monate aus.

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Berlin - Jos Luhukay hatte die Mütze tief ins Gesicht gezogen, wobei das mit sportlichen Gesichtspunkten nichts zu tun hatte. Schuld war vielmehr der beständige Nieselregen, der seine Mannschaft über 90 Minuten begleitete. „Im Vergleich zum letzten Test gegen Vitesse Arnheim war das ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sprach Luhukay also nach dem Abpfiff und rückte die Kappe wieder zurecht. Wie am gestrigen Abend war der Gegner vor einer Woche aus der niederländischen Ehrendivision gekommen, wie am gestrigen Abend endete die Begegnung unentschieden, „aber fußballerisch lagen Welten dazwischen“. Vor 3026 Zuschauern im Amateurstadion trennte sich der Bundesligist nach einer sehr ansprechenden Leistung 1:1 (1:0) vom PSV Eindhoven. „Ich habe mich nur über das Gegentor geärgert“, sagte der Trainer – weil es kurz vor Schluss fiel.

Luhukay entsandte zunächst eine Formation mit sechs Zugängen – namentlich John Heitinga, Jens Hegeler, Marvin Plattenhardt, Genki Haraguchi, Roy Beerens und Julian Schieber – aufs Feld, von den arrivierten Kräften fanden sich in der Anfangself nur Torhüter Thomas Kraft, Peter Pekarik, Alexander Baumjohann, Sebastian Langkamp und Hajime Hosogai wieder, den Luhukay auch zum Kapitän ernannt hatte.

Im ersten Test nach dem Trainingslager in Harsewinkel und exakt 30 Tage vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Werder Bremen machten die Berliner von der ersten Minute an einen wesentlich besseren Eindruck als Teile ihrer Anhängerschaft, die während einer Schweigeminute für die Opfer des Fluges MH17 fröhlich ihre Gassenhauer weiter trällerten. Es sollte aus Berliner Sicht so ziemlich das einzige Ärgernis des Abends bleiben.

Zu den positiven Überraschungen zählten vor allem die Flügelspieler Haraguchi und Beerens. Fast immer, wenn der Japaner oder der Niederländer beteiligt waren, entstanden gefährliche Situationen, so auch vor dem 1:0. Haraguchi bediente mit einem Flügelwechsel Beerens, der nach einem Dribbling im Strafraum zu Fall gebracht wurde. Den fälligen Strafstoß verwandelte Hegeler zwar nicht, im Nachsetzen flankte Haraguchi allerdings auf Heitinga, der nach neun Minuten zum 1:0 traf.

Torhüter Kraft musste über die gesamte Spielzeit selten eingreifen, beim Kopfball zum 1:1-Ausgleich durch den ehemaligen Mönchengladbacher Luuk de Jong war er chancenlos. „Grundsätzlich war ich sehr zufrieden“, sagte Luhukay.

Wenn da nur nicht die Meldung gewesen wäre, die am Nachmittag kursierte. Demnach müssen die Berliner in den nächsten drei Monaten auf Mittelfeldspieler Tolga Cigerci verzichten, der sich wegen anhaltender Beschwerden am Zeh gestern Nachmittag von einem Spezialisten operieren ließ. „Tolga ist sehr wichtig für uns“, sagte Luhukay, „ich drücke ihm die Daumen, dass er schnell wieder da ist, auch wenn ich weiß, dass das eine Weile dauern wird.“ Christoph Dach

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