Sport : Gewagte Prognose

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Frankreich wird wieder Weltmeister, Deutschland scheidet vorzeitig aus – wieder im Viertelfinale, wieder gegen Kroatien, das es bis ins Finale schafft. Das hatte Markus Raab vor der WM ermittelt. Der Psychologe vom Max-Planck-Institut Berlin befasst sich mit Entscheidungsprozessen im Sport und der Vorhersagbarkeit von Ergebnissen. Für die WM hat er mit seinem Mitarbeiter Christian Gröschner ein Modell entwickelt, mit dem er die Ergebnisse aller 64 Spiele prognostiziert.

Die Wissenschaftler leiten ihre Vorhersagen dabei einzig aus dem Abschneiden bei der WM 1998 ab. Demnach gewinnt das einzelne Spiel stets diejenige Mannschaft, die 1998 besser abgeschnitten hat als der direkte Kontrahent. Waren beide Teams in Frankreich gleich weit gekommen oder war einer der Beteiligten dort nicht vertreten, lässt Raab das Los entscheiden. Einwände zu dieser wenig wissenschaftlichen Vorgehensweise kontert Raab mit dem Argument, dass das Prognosemodell dadurch einfach gehalten wird. „Menschen entscheiden anhand möglichst weniger Parameter. Das wollten wir auch tun, um zu realistischen Ergebnissen zu kommen", sagt Raab. Bei den Olympischen Winterspielen von Salt Lake City habe er diese Vorgehensweise erfolgreich getestet und den Medaillenspiegel nur aufgrund der Nationenwertungen der vorangegangenen Spiele besser getippt als andere Gruppen von Wissenschaftlern.

Nun überraschen die bisherigen Resultate nicht nur Fußballexperten, sie widersprechen auch Raabs Prognosen. Drei Mannschaften, die die Wissenschaftler ins Halbfinale getippt haben, steckten schon Niederlagen ein: Italien, Argentinien, Frankreich. Frankreich droht schon heute das Aus. Christian Gröschner aber glaubt immer noch an seine Prognose: „Wir halten an unserem Modell fest: Frankreich wird Weltmeister." Martín E. Hiller

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