Gewalt beim Fußball : Schritte zur heilen Welt

Politik und Fußball wollen Gewalt an einem "Runden Tisch" bekämpfen. Ein von DFL-Chef Rauball vorgestellter Zehn-Punkte-Plan soll dabei helfen.

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Berlin - Zunächst betonten Reinhard Rauball und Theo Zwanziger das, was sie immer betonen: Im Anschluss an einen „Runden Tisch“ zu Gewalt im Fußball stellten die Präsidenten der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung ihres Sports heraus. Was die beiden Fußballfunktionäre allerdings dann zusammen mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus, dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, verkündeten, hatte durchaus Neuigkeitswert. Ahlhaus wollte gar einen „Quantensprung in der Zusammenarbeit“ erlebt haben, de Maizière sprach immerhin von „neuen Anstrengungen“, mit denen Fußballgewalt eingedämmt werden soll. Erste sichtbare Auswirkungen wird die Partnerschaft zwischen Fußball und Sicherheitsapparat spätestens in einem Jahr haben: Am Freitag einigten sich Politiker und Funktionäre darauf, dass am 1. Mai 2011 keine Profifußballspiele stattfinden werden, um die Polizei nicht zu überfordern

„Ich kann nicht versprechen, dass wir von heute auf morgen eine heile Welt bekommen“, sagte Zwanziger nach der Unterredung. Ein von DFL-Chef Rauball vorgestellter Zehn-Punkte-Plan soll aber dabei helfen, dass der zuletzt durch Ausschreitungen beschädigte Ruf des Fußball nicht weiter unter Gewalt leidet, so wie beim Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Nürnberg am 13. März. DFL und DFB wollen weiter auf Fanprojekte und Medienkampagnen setzen – hinzu kommen sollen eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Fußballgewalt sowie ein verstärkter Dialog mit den Sicherheitsbehörden. Zusätzlich wollen sich die Profiklubs der Ersten und Zweiten Liga verpflichten, hauptamtliche Sicherheits- und Fanbeauftragte anzustellen. Ordner sollen von den Vereinen besser ausgebildet werden und die eigenen Fans auch auswärts begleiten.

Der Bundesinnenminister begrüßte die „Entflechtung der Belastungssituation“ für die Polizei durch Spielverlegungen wie am 1. Mai, der im kommenden Jahr auf einen Sonntag fällt. An den Kosten der Polizeieinsätze sollen die Klubs auch künftig nicht beteiligt werden. „Das ist rechtlich nicht möglich und das hat heute auch keiner ins Spiel gebracht“, sagte de Maizière.

Gewaltprobleme in unteren Ligen des Profifußballs waren nicht spezielles Thema des Runden Tisches und auch nicht Teil des Programms der Profiliga DFL. Praktikabel ist der Zehn-Punkte-Plan wohl ohnehin nur für Bundesligisten – hauptamtliche Sicherheitsbeauftragte dürften sich die meisten Amateurklubs kaum leisten können. „Wir werden nichts unter den Teppich kehren und nichts verharmlosen“, versprach Zwanziger. „Und wenn ein Verein immer wieder seiner Verantwortung nicht gerecht wird, dann spielt er irgendwann nicht mehr mit.“

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