Gewalt durch Fußballfans : Herrmann fordert Stadionverbote "ohne Wenn und Aber"

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann möchte die Vereine wegen der Gewalt in Fußballstadien stärker in die Pflicht nehmen. Polizeieinsätze bezahlen lassen will er sie aber nicht.

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Findet "Kriegserklärung" von Ultras an den DFB skandalös: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).
Findet "Kriegserklärung" von Ultras an den DFB skandalös: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).Foto: Andreas Gebert/dpa

Herr Herrmann, die Fußballstadien in Deutschland laufen Gefahr, immer stärker zu Orten von Gewaltexzessen zu werden? Wie konnte es dazu kommen?

Das Gefährdungspotenzial von gewaltbereiten Fans im Fußball ist hoch. Insbesondere bei Spielen zwischen Vereinen, deren Problemfans ein feindschaftliches Verhältnis zueinander haben, sind Mobilisierungspotenzial und Gewaltbereitschaft hoch. Wenn es bei einem Fußballspiel zu Gewalttaten kam, muss man im Einzelfall genau analysieren, wie das hätte verhindert werden können. Eine pauschale Aussage lässt sich dazu nicht treffen.

Besteht das Risiko gewaltsamer Ausschreitungen vor allem für bestimmte Begegnungen?

Die Sicherheitslage bei Fußballspielen ist stark abhängig von den unterschiedlichen Zusammensetzungen der Ligen, den Spielpaarungen in Uefa-Wettbewerben und den hier ausgetragenen Länderspielen. Unter Berücksichtigung dieser Schwankungen befinden sich die Kennzahlen seit einigen Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Gleichwohl darf trotz der allgegenwärtigen Medienberichterstattung über gewalttätige Ausschreitungen nicht übersehen werden, dass die große Mehrheit der deutschen Fußballfans ausschließlich an den Fußballspielen interessiert ist, die besondere Atmosphäre der Spiele genießen möchte und jede Gewalt strikt ablehnt.

Fangruppen haben dem DFB den „Krieg“ erklärt, bei Dynamo Dresden marschieren Anhänger in Armeemontur auf. Verlagert sich der Rechtsradikalismus in den Fußball?

Die „Kriegserklärung“ einiger Ultras ist skandalös. Dass sich schon seit einiger Zeit auch Rechtsextremisten unter die Fußball-Hooligans mischen, ist ebenso bekannt wie besorgniserregend.

Aus Expertensicht könnte es in der kommenden Bundesliga-Saison zu mehr Ausschreitungen kommen als jemals zuvor. Welche Konsequenzen sind nötig?

Wir sind davon überzeugt, dass der in Bayern eingeschlagene Weg richtig ist: Wir akzeptieren weder gewalttätige Ausschreitungen noch die Verwendung von Pyrotechnik in und um die Stadien. Daher muss es im Interesse aller sein – sowohl der Vereine und Verbände wie auch der Sicherheitsbehörden, der Polizei und vor allem auch der Fans – dass es weder vor, während oder nach den Spielen zu Randalen, Gewalttätigkeiten und dem Abbrennen von Pyrotechnik kommt.

Was läuft in Bayern denn anders?

Die bayerische Linie zeichnet sich dadurch aus, dass wir nah dran sind an potenziellen Gewalttätern und „nah an den Fans“. Der Bürger hat einen berechtigten Anspruch auf starke polizeiliche Präsenz.

Die meisten Fans haben mit den Ausschreitungen nichts am Hut ...

Deshalb müssen wir zwischen den vielen friedlichen Fans und den Gewalt suchenden Personen klar unterscheiden. Die Verwendung von Pyrotechnik in den Stadien und auf den Wegen dorthin ist extrem gefährlich und muss deshalb konsequent unterbunden werden. Wir brauchen den Einsatz qualifizierter Sicherheits- und Ordnungskräfte in ausreichender Zahl in den Stadien. An den Einlässen und Zugängen müssen Kontrollen konsequent durchgeführt werden. Und Stadionverbote müssen ohne Wenn und Aber durch die Vereine ausgesprochen und durchgesetzt werden.

Tun die Fußballvereine zu wenig gegen Hooligans und gewaltbereite Anhänger?

Die meisten Fußballvereine arbeiten eng mit der Polizei gegen Gewalt in Fußballstadien zusammen. Dennoch sollten die Vereine noch stärker in die Pflicht genommen werden, insbesondere sollte die Fan- Arbeit intensiviert werden.

Der DFB wehrt sich gegen Kollektivstrafen für Fans. Aber müssen die Veranstalter nicht mit härteren Sanktionen reagieren?

Die Vereine und der DFB müssen bestehende Richtlinien konsequent anwenden und auch in letzter Konsequenz den Spielabbruch umsetzen. Und aus meiner Sicht muss das Sportgericht des DFB nach Verfehlungen von Fans auch häufiger konsequente Strafen gegen die Vereine verhängen, wenn es Mängel beispielsweise bei der Zugangskontrolle gegeben hat.

Müsste man die Fußballvereine nicht an den hohen Kosten für die Polizeieinsätze beteiligen? Warum soll allein der Steuerzahler dafür aufkommen?

Polizeieinsätze bei Fußballspielen finden überwiegend im öffentlichen Umfeld und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung statt. Sie stellen somit den Kernbereich polizeilicher Tätigkeit dar. Letztendlich dient der gesamte Polizeieinsatz ja nicht dem Veranstalter, sondern den Bürgern, die an der Veranstaltung teilnehmen oder deren Umfeld möglichst wenig beeinträchtigt werden soll. Für Polizeieinsätze im Zusammenhang mit Fußballspielen werden daher nach der in Bayern geltenden Rechtslage keine Kosten erhoben. Diese grundsätzliche Kostenfreiheit gilt für alle Großveranstaltungen, also auch bei Konzerten, Festzügen und Demonstrationen. Aufgaben des Veranstalters, wie etwa Absperr- oder Ordnertätigkeiten, übernimmt die Polizei dabei ja nicht. Je nach den Risiken einzelner Spiele muss die Zahl der Ordner gegebenenfalls noch erhöht werden.

Offenbar liegt aber gerade dort vieles im Argen. Führen lasche Kontrollen dazu, dass auf den Zuschauerrängen immer wieder hochgefährliche Pyrotechnik abgebrannt wird, die eigentlich verboten ist?

Es ist Aufgabe der Vereine, das Verbot durchzusetzen. Ich erwarte, dass konsequent nach Feuerwerkskörpern und Ähnlichem kontrolliert wird. Es kann nicht sein, dass jedes Jahr tausende Polizisten zusätzlich abgestellt werden müssen, weil die Vereine nicht ausreichend für Sicherheit sorgen.

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