Gewalt im deutschen Fußball : Schluss mit der Hysterie!

Ein neuer Bericht zur Fangewalt, und schon wird wieder versucht, die Zahlen zu instrumentalisieren. Dabei steht der deutsche Fußball ziemlich gut da - und die erhitzte Debatte lenkt nur von den wirklichen Problemen ab. Ein Kommentar.

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Der Aufschrei war gewaltig. Im vergangenen Herbst veröffentlichte die bei der Polizei Nordrhein-Westfalen angesiedelte Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (Zis) ihren Jahresbericht zur Gewalt im deutschen Fußball. Sogleich war von „alarmierenden Zahlen“ die Rede: Mehr Verletzte! Mehr Strafverfahren! Mehr gewaltbereite Fans! Mehr Polizei-Arbeitsstunden! Mit der Macht der Zahlen im Rücken zwangen die Innenminister die Deutsche Fußball-Liga, einen aktionistischen Maßnahmenkatalog zusammenzuzimmern, der die Stimmung in den Stadien noch weiter anheizte. Gestern hat die Zis nun ihre neuen Zahlen für die Saison 2012/13 vorgelegt: Weniger Verletzte! Weniger Strafverfahren! Weniger gewaltbereite Fans! Weniger Polizei-Arbeitsstunden! Ein Grund zum Jubeln, eine Trendwende? Nein, vielmehr ein Anlass, die Diskussion zu versachlichen.

Auch wenn die Zahlen etwas anderes suggerieren: Die Situation im deutschen Fußball hat sich zuletzt kaum verändert. Wer sich die Mühe macht, den Zis-Bericht über die ersten drei Absätze hinaus zu lesen, wird feststellen, dass die Zahlen mit der Zusammensetzung der Ligen schwanken. Steigen große Klubs in die Dritte Liga ab und kleine auf – vor der Saison 2012/13 tauschten Hansa Rostock, Aachen und Karlsruhe die Plätze mit Aalen, Sandhausen und Regensburg – sinken auch die Zahlen der Delikte. Natürlich ist jeder Verletzter einer zu viel, angesichts von zuletzt 788 verletzten Personen in Relation zu rund 18 Millionen Stadionbesucher erscheint es aber unverantwortlich, von einem generellen Gewaltproblem im deutschen Fußball zu sprechen.

Egal wie die Statistik ausfällt: Funktionäre, Sicherheitsverantwortliche und auch Fans sollten sich davor hüten, die jährlichen Zahlen zu instrumentalisieren. Denn eine hysterische Debatte lenkt nur ab von den Problemen, die der Fußball immer noch hat, wie etwa das Revival rechten Gedankenguts in den Stadien. Und diese Probleme können alle Beteiligten nur gemeinsam lösen.

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