Gewalt im Fußball : Strafen, Urteile und ein Sicherheitsgipfel
15.07.2012 12:53 UhrAm Ende der vergangenen Saison häuften sich die Ausschreitungen
Neue Dynamik hatte das Thema am Ende der vergangenen Saison bekommen. Am letzten Spieltag hüllten Fans des 1. FC Köln das ganze Stadion in eine Rauchwolke und versuchten, auf das Spielfeld zu gelangen. Das Relegations-Rückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC musste mehrfach unterbrochen werden, nachdem Berliner Fans Pyrotechnik gezündet hatten und Düsseldorfer Anhänger den Platz stürmten. Auch nach dem Relegationsspiel zwischen dem Karlsruher SC und Jahn Regensburg rannten KSC-Fans auf den Rasen und griffen Ordner an. Der DFB befand, der KSC habe nicht genug Sicherheitspersonal angestellt. „Wir haben damals alles getan, was in unserer Macht steht, um Ausschreitungen zu verhindern“, sagte hingegen Markus Schütz, der Anwalt des Vereins.
Bilder vom Skandalspiel von Hertha BSC in Düsseldorf:
Nicht nur die Vereine fühlen sich gegängelt, auch bei den Fans wächst der Unmut. „Der DFB ist relativ hilflos“, sagt Steffen Toll vom „Förderkeis Ostkurve“ von Hertha BSC. „Sie denken, sie setzen ein Zeichen. Aber das bringt nichts.“ Besonders in den Ultra-Szenen hat man dem Verband und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nicht verziehen, dass sie den Dialog über eine Teillegalisierung von Pyrotechnik abgebrochen haben. „Damit hat der DFB die gemäßigten Kräfte in den Fankurven geschwächt“, glaubt Toll. Der Förderkreis Ostkurve wird sich am Montag noch einmal mit Vertretern der Hertha-Geschäftsstelle austauschen, am Dienstag beim Sicherheitsgipfel werden aber keine Fan-Vertreter mit am Tisch sitzen. „Wir haben einen guten Dialog mit Hertha, einen super Draht“, sagt Toll. „Mit dem DFB ist das nicht so. Wir lassen uns aber nicht auseinander dividieren.“
Wie kann der DFB mit den Fans wieder ins Gespräch kommen? Diese Frage findet man in den Verbandszentralen in Frankfurt am Main nicht angebracht. Schließlich seien die Fans auch in die Task Force Sicherheit, die bereits getagt habe, eingebunden. „Was wir am Dienstag thematisieren, basiert doch auf den Ergebnissen der Task Force“, sagt DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock dem Tagesspiegel. „Und in dieser Task Force haben neben Verbänden und Vereinen, der Politik, Polizei, Justiz und auch die Fanvertretungen mitgewirkt.“ Wo liegt also das Problem? Vielleicht darin, dass die Fans sich nicht auf einen Nenner bringen lassen.
In den Kurven werden die Strafen als pauschale Verurteilungen für Taten Einzelner aufgenommen. Ein weiteres Ärgernis für viele Fans ist die schwer durchschaubare Rechtsprechung der Sportgerichte. „Mit Transparenz haben die es nicht so“, sagt Toll. Herthas Einspruch gegen den Zuschauer-Teilausschluss läuft noch, es ist aber gut möglich, dass die Ostkurve des Olympiastadions im erstem Zweitliga-Heimspiel der neuen Saison leer bleibt. Die Berliner Fans, die dort sonst stehen, werden wohl trotzdem ins Stadion kommen. „Man versucht, das Beste draus zu machen, auf andere Plätze auszuweichen, eine andere Perspektive auf das Spielfeld zu bekommen“, sagt Toll.
Eine Woche nach der Sicherheitskonferenz wird es ein weiteres Spitzengespräch zwischen Politik und Fußball geben. Bereits vor dem bislang letzten runden Tisch zum Thema Fußballgewalt im vergangenen November hatte es Forderungen nach drastischen Strafen gegeben. Nach der Sitzung allerdings war davon keine Rede mehr. „Der Dialog mit den Fans ist ein Schlüsselfaktor, um des Problems Herr zu werden“, sagte Bundesinnenminister Friedrich damals. Diese Grundeinstellung scheint sich nun allerdings verschoben zu haben: weg von Gesprächen und Verhandlungen, hin zu Strafen und Gerichtsurteilen.


































