Sport : Gewalt nach Todesschuss

Italienische Polizei tötet versehentlich Lazio-Fan

Rom - Der gewaltsame Tod eines Fans hat den italienischen Fußball am Sonntag an den Rand einer Krise getrieben. Nachdem ein 26 Jahre alte Anhänger von Lazio Rom auf dem Weg zum Auswärtsspiel seines Clubs bei Inter Mailand auf einem Autobahnrastplatz von einem Polizisten erschossen worden war, kam es vor vielen Spielen zu schweren Ausschreitungen und Angriffen auf die Ordnungskräfte.

Mehrere Polizisten wurden verletzt. Der italienische Fußballverband sagte das Spitzenspiel von Meister Inter gegen Lazio ab. Die übrigen Partien wurden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen mit zehnminütiger Verspätung angepfiffen.

„Es war ein tragischer Fehler“, sagte der „tief betroffene“ Polizeichef von Arezzo, Vincenzo Giacobbe, der „Gazzetta dello Sport“. Ministerpräsident Romano Prodi äußerte sich „höchst besorgt“. Der 26-jährige Römer ist bereits der zweite Tote, den der italienischen Fußball in diesem Jahr zu beklagen hat. Bei schweren Fan-Ausschreitungen war am 2. Februar ein Polizist in Catania von Randalierern erschlagen worden. Daraufhin hatte die Regierung die Gesetze gegen Gewalt rund um den Fußball drastisch verschärft, das Problem jedoch nicht in den Griff bekommen.

Justizminister Clemente Mastella forderte deshalb am Sonntag „noch härtere Maßnahmen“ gegen gewaltbereite Fußballfan. Die Nachricht vom Tod des Lazio-Fans hatte sich wie ein Lauffeuer unter den Tifosi aller Clubs verbreitet. Italienischen Medien zufolge war es auf dem Autobahnrastplatz von Badia al Pino zu einer kleineren Rangelei zwischen den Lazio-Anhängern und Fans von Juventus Turin gekommen, die auf dem Weg zum Juve-Auswärtsspiel beim AC Parma waren. Eine Polizeistreife griff ein, dabei fiel der Schuss. „Alles hat sich in einer, höchstens zwei Minuten abgespielt“, sagte der Chef des Autobahnrestaurants von Paolo Agutoli.

Während die Ermittlungen auf dem teilweise abgesperrten Rastplatz noch andauerten und der Polizeichef die Verantwortung seines Beamten noch gar nicht eingestanden hatte, war der Fall für die Lazio Fans schon klar. „Die Polizei hat ihn getötet“, meinten empörte Lazio-Anhänger, die mit dem 26-Jährigen unterwegs waren. Vor dem San Siro-Stadion in Mailand skandierten Lazio-Fans vor den Polizeisperren: „Mörder, Mörder“. Nachdem sich die Inter-Fans mit den Lazio-Anhängern verbrüderten, drohte die Lage zu eskalieren. Rund 400 Fans zogen durch die Straßen und bewarfen eine Polizeidienststelle mit Steinen.

Auch in Bergamo kam es zu Angriffen von Atalanta-Fans auf die Polizei. Zwei Beamte wurden verletzt, die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Anhänger des AC Mailand attackierten auf dem Weg zum Stadion am Bahnhof ebenfalls die Ordnungskräfte. Auch auf den Internetseiten der Fan-Clubs entlud sich die Wut in Hass-Tiraden gegen die Polizei.

„Für den Polizisten habt ihr die Liga gestoppt, aber ein Fan ist euch nichts wert“, riefen die aufgebrachten Fans in Mailand und forderten die Absage aller Partien des Spieltags. Eine Forderung, die auch zahlreiche Politiker in Rom vertraten. „Es ist unverständlich, dass der Fußball weiter rollt“, klagte Grünen- Fraktionschef Angelo Bonelli. „Es war richtig, die übrigen Partien anzupfeifen“, verteidigte dagegen Liga-Präsident Giancarlo Abete die höchst umstrittene Entscheidung. dpa

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