Sport : Gewalt, Verbote, Diskussionen

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Köln - Seit Dienstag klingelt das Telefon von Rainer Mendel häufiger als sonst. Und auch sein Maileingang verzeichnet ungewöhnlich hohe Zahlen. Der Fanbeauftragte des 1. FC Köln ist schließlich erster Ansprechpartner der Anhänger des rheinländischen Klubs. Und deren Redebedarf ist derzeit immens. Grund ist das jüngste Urteil des DFB-Sportgerichts, das den Klub wegen Ausschreitungen von Zuschauern bei insgesamt fünf Auswärtsspielen in dieser Saison dazu verurteilt hat, keine Fans zum Auswärtsspiel am 10. April nach Hoffenheim mitnehmen zu dürfen. Zudem muss der Klub 30 000 Euro Strafe und den Einnahmeausfall der Hoffenheimer bezahlen.

„Es besteht überwiegend Erleichterung über das Urteil“, sagt Mendel, „die Leute sind froh darüber, dass es kein Geisterspiel in Köln geben wird.“ Doch ein Umstand werde sehr wohl wahrgenommen: Erstmals wird der Verein nicht allein mit einer Geldstrafe belegt, sondern „jetzt haben sich die Fans selbst geschadet“, sagt der Fanbeauftragte. Doch die Ursachen für die neue Gewalt, die kein Phänomen allein in Köln ist, wurden mit dem Urteilsspruch in keiner Weise bekämpft. Auch in Nürnberg und Berlin trat das ungewöhnliche Gewaltpotenzial zuletzt offen zutage. Vorschläge zur Vorbeugung waren unmittelbar nach den Ausschreitungen viele zu hören. Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, forderte Geisterspiele und das Verbot von Stehplätzen.

Diese Äußerungen versteht Mendel eher als Populismus. „Wir müssen weiterhin im Gespräch mit den Fans bleiben, diese Bemühungen intensivieren und auch darauf hoffen und setzen, dass sich die Fangruppen auch untereinander beaufsichtigen“, sagt Mendel. Zuletzt, beim Spiel von Hertha BSC beim VfL Wolfsburg, habe es bereits einen positiven Ansatz gegeben, als einige gegen die eigene Mannschaft pöbelnde Berliner Anhänger von anderen Hertha-Fans zur Ordnung gerufen wurden. Jörg Strohschein

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