Sport : Gewaltsame Geschichte

In Leipzig haben Krawalle unselige Tradition

Frank Bachner

Berlin - Natürlich werden sie erhöhte Sicherheitsmaßnahmen beschließen, die Experten, die sich heute in Leipzig zur Sicherheitskonferenz treffen. Das ist immer so nach Krawallen. Am Samstag spielt Sachsen Leipzig im Viertelfinale des Sachsen-Fußball-Pokals gegen Auerbach, und Polizei, Vereinsvertreter und Fanbeauftragte stehen noch unter dem Eindruck der brutalen Ausschreitungen vom Wochenende in Leipzig. Eine Absetzung des Spiels ist nicht ausgeschlossen.

Anhänger von Lok Leipzig hatten diesmal geprügelt, aber das ist letztlich egal. „Der Fußballstandort Leipzig leidet unter den Krawallen“, sagt Peter Schur, der Fanbeauftragte von Sachsen Leipzig. Er verurteilt die Gewalt „aufs Schärfste. Aber da wird auch Frust wegen Arbeits- und Perspektivlosigkeit abgelassen.“

Und zwar von allen Seiten. Lok-Fans schlagen ebenso zu wie Sachen-Anhänger. Am 29. September 1990 wurde das Spiel Sachsen Leipzig – Jena wegen Zuschauerkrawallen abgebrochen, vor einigen Monaten prügelten sich Lok-Fans in Wurzen. Und oft genug greifen sich Lok- und Sachsen-Fans gegenseitig an.

Der Streit zwischen den Fans hat eine lange Geschichte. 1963 beschlossen DDR-Funktionäre, dass die besten Leipziger Spieler zum SC Leipzig, dem Lok-Vorgänger, wechseln sollten. Aber DDR-Meister in jener Saison wurde Chemie Leipzig, der Vorgänger von Sachsen Leipzig, mit den vom SC aussortierten Spielern. Heute spielt Lok nach zweimaliger Insolvenz in der Bezirks- und Sachsen in der Oberliga. Es gab Pläne, die Vereine zu fusionieren, um ein starkes Team aufzustellen. Der Plan scheiterte.

Nun will der Getränkehersteller Red Bull viele Millionen Euro in Sachsen Leipzig investieren, um den Klub nach oben zu hieven. Wie die Schlagzeilen von Leipzig bei der Konzernzentrale ankommen, ist schwer zu sagen. „Kein Kommentar“, sagt ein Red-Bull-Sprecher. Viele Fans reagieren schon lange. „Seit zwei Jahren sind Sachsens Zuschauerzahlen drastisch zurückgegangen“, sagt Schur. „Die Leute bleiben zu Hause.“

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