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Gewichtheben : Keine akute Verletzung bei Matthias Steiner

Den Zuschauern stockte der Atem, als Gewichtheber Matthias Steiner eine 196 Kilogramm schwere Hantel in den Nacken knallte und ihn zu Boden riss. Jetzt gibt es erste Ergebnisse der medizinischen Untersuchungen.

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Das haut den stärksten Mann um.196 Kilogramm knallen auf Matthias Steiners Nacken.
Das haut den stärksten Mann um.196 Kilogramm knallen auf Matthias Steiners Nacken.Foto: dpa

Bei Gewichtheber Matthias Steiner sind bei den ersten Untersuchungen keine schwerwiegenden Verletzungen festgestellt worden. „Die Ärzte haben nichts Akutes gefunden. Er hat keinerlei Ausfälle. Aber er hat Schmerzen, ihm tut alles weh“, sagte Bundestrainer Frank Mantek am Mittwoch in London. Steiner verbrachte die Nacht im olympischen Dorf und fuhr am Vormittag erneut in die Klinik, damit die Untersuchungen fortgesetzt werden konnten.

196 Kilogramm lagen am Dienstagabend auf der Stange, und auf einmal verlor Matthias Steiner die Kontrolle über sie. Der Gewichtheber kippte in seinem zweiten Versuch im Reißen weg, die Stange knallte auf seinen Nacken und streckte ihn zu Boden. Der Mann, der bei den Spielen vor vier Jahren in Peking noch für den vielleicht emotionalsten Moment im deutschen Team gesorgt hatte, als er bei der Siegerehrung das Bild seiner verstorbenen Frau mit aufs Podest nahm, dieser Mann erlebte beim Versuch seiner Titelverteidigung eine Schreckminute.

Steiner stand wenig später wieder, aber den Wettkampf im Superschwergewicht, der Gewichtsklasse über 105 Kilogramm, musste er abbrechen. Der leitende Mannschaftsarzt Bernd Wolfarth kümmerte sich um ihn und teilte später mit: „Die ersten Untersuchungen am Wettkampfort, die vom dort tätigen Unfallarzt und mir vorgenommen worden sind, haben keine größeren Verletzungen ergeben.“ Um aber Weiteres auszuschließen, begleitete er Steiner ins Krankenhaus. Es hätte für Steiner ein fröhlicher Abend werden sollen.

Bevor der Wettbewerb begann, hatte er noch einmal kurz die Bühne betreten, wie ein Künstler, der durch den Vorhang blinzelt, um ein Gefühl für den Abend zu bekommen. Auch nach seinem ersten Versuch im Reißen sah er noch sehr zuversichtlich aus, er schaffte 192 Kilogramm und wollte dann bei 196 weitermachen. Steiner hatte die Stange schon nach oben gerissen, als sie ihm entglitt. Steiner blieb erst einmal liegen, in Windeseile hatten Helfer eine Plane als Sichtschutz vor der Szene ausgerollt. Steiner lag bäuchlings auf der Bühne und bewegte sich kaum.

Steiners Horrorunfall in Bildern

Schrecksekunde für Gewichtheber Matthias Steiner
Gewichtheber Matthias Steiner erlebte im Finale eine Schrecksekunde der besonders gefährlichen Art. Bei seinem zweiten Versuch im Reißen rutschte ihm die Hantel nach hinten weg und traf den Olympiasieger von Peking im Nacken.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: Reuters
07.08.2012 20:39Gewichtheber Matthias Steiner erlebte im Finale eine Schrecksekunde der besonders gefährlichen Art. Bei seinem zweiten Versuch im...

Nach einer Weile, befreit von der Stange über ihm, stand er jedoch auf, reckte noch einmal die Faust kämpferisch nach oben – und kam nicht wieder. Im Aufwärmbereich saß er und massierte sich den Nacken. „Er hat 70 Kilo in die Hand genommen, aber die konnte er nicht wegheben. Dann habe ich ihm empfohlen: Mach Schluss“, berichtete Bundestrainer Frank Mantek. Steiner habe auch über Rückenschmerzen geklagt. Den Wettkampf fortzusetzen, hätte jedenfalls ein zu großes Risiko bedeutet.

Steiners Teamkollege Almir Velagic, der mit neuer Bestleistung von 426 Kilogramm auf Platz acht kam, hatte das Unglück auf einem Fernsehschirm gesehen. „Als er reinkam, habe ich ihn gefragt: Matthias, ist alles dran? Er hat gleich ja gesagt.“ Die Sache habe schlimmer ausgesehen als sie war, glaubte Velagic. „Man macht automatisch eine Reflexbewegung, um auszuweichen. Als erfahrener Heber kennt man eine solche Situation. Bei uns kann auch mal Schlimmeres passieren.“

Im Aufwärmraum verabschiedete sich Steiner dann von Velagic. „Er hat zu mir gesagt, ich solle die Fahne hochhalten, er steige jetzt aus. Zumindest mir hat’s noch was gebracht“, sagte Velagic, „aber für Matthias tut’s mir leid. Der war von seinen Vorleistungen wieder so gut wie vor Peking und er kann sich in einen Wettkampf hineinsteigern.“ Olympiasieger wurde Behdad Salimikordasiabi aus dem Iran vor seinem Landsmann Sajjad Anoushiravani und dem Russen Ruslan Albegow. Salimikordasiabi brachte im Reißen 208 Kilogramm nach oben und im Stoßen 247. (mit dpa)

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