Sport : Gewichtsprobleme

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Von Christian Hönicke

Berlin. Wohin der Weg gehen soll, weiß er genau: Die Formel 1 ist das Ziel von Stefan Mücke. Daran hat sich nichts geändert, seit der talentierte Berliner vor einem halben Jahr von der Nachwuchsrennserie Formel 3 zu den Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) wechselte. Allerdings: Viele Fahrer haben es nicht von der DTM in die Formel 1 geschafft. Eigentlich sind es sogar erschreckend wenige, und eigentlich läuft es meistens eher umgekehrt: Piloten, die ihren Zenit überschritten haben, fahren nach ihrer Formel-1-Karriere noch ein bisschen Tourenwagen, weil sie vom Autofahren nicht lassen können. Wie Jean Alesi, der nach 13 Jahren und 201 Rennen in der höchsten Rennklasse diese Saison für Mercedes in der DTM fährt. Nun ist es an Mücke, auch einmal ein Beispiel für die andere Richtung zu geben.

Die Chancen dafür stehen so schlecht nicht. Denn im Rennsport kommt es wie in anderen Branchen vor allem auf die richtigen Beziehungen an. „Der Weg über die DTM ist nicht falsch“, sagt etwa Opel-Fahrer Manuel Reuter. „Die jungen Fahrer können hier viel lernen. Außerdem machen sie sich bei den großen Herstellern einen n.“ Mücke versucht das gerade als Mercedes-Junior, als Mitglied des Nachwuchsförderprogramms von Mercedes. Das war einst auch Michael Schumacher, der zwar in der Formel 1 nie für die Stuttgarter fuhr, von ihnen aber den Weg dorthin geebnet bekam. Außerdem haben sie bekanntermaßen einen nicht geringen Einfluss auf die Auswahl der Piloten des McLaren-Mercedes-Formel-1-Teams.

Die Fahrersituation dort käme Mücke sogar entgegen: Der zweimalige Weltmeister Mika Häkkinen ist zwar offiziell nur ein Jahr im Babyurlaub, wird aber wahrscheinlich nicht zurückkehren – zumindest deuten das Gerüchte und die erstaunliche Gewichtszunahme des Finnen an. Die aktuellen Piloten David Coulthard und Kimi Räikkönen machen einen guten Job, aber keinen überragenden. Und der Mönchengladbacher Nick Heidfeld fährt immer noch bei Sauber, obwohl Mercedes eine Option auf ihn hat. Doch immerhin hat er es in die Formel 1 geschafft – übrigens auch als Mercedes-Junior. Es sagt also einiges über das Vertrauen und die Hoffnungen des Stuttgarter Unternehmens in Mücke, wenn es dem gerade 20-Jährigen einen seiner Wagen in der DTM überlässt. Auch wenn es nur das Vorjahresmodell ist.

Daran liegt es aber nicht allein, dass Mücke nach seinen Erfolgen in der Formel 3, in der er im letzten Jahr zwei Rennen gewann und Meisterschaftszweiter wurde, noch nicht so richtig in Schwung kommt in der DTM. Das weiß er selbst am besten. „Ich bin noch in der Gewöhnungsphase“, sagt er. „Alles ist ganz anders als in der Formel 3, auch die Autos sind viel schwerer.“ Vor allem bei der Abstimmung seines Wagens, gibt er zu, muss er noch dazulernen. „Vielleicht würde es mir helfen, wenn ich endlich mal ein Rennen zu Ende fahren könnte.“ In der Tat kam Mücke bei bisher fünf Läufen nur zweimal ins Ziel. Als einer von nur sechs Fahrern steht er bei Saisonhalbzeit noch ohne Punkte da, Unfälle und technische Defekte stoppten ihn regelmäßig. Bei seinem Heimrennen heute auf dem Lausitzring (Start: 12. 55 Uhr) will er unbedingt wieder einmal ankommen: „Wenn es sein muss, ziehe ich mein Auto ins Ziel.“

Nach dem Zeittraining am Sonnabend gab es jedoch nur wenig Grund zum Optimismus. Mücke umrundete den 4,5 km langen Kurs von allen 21 Fahrern am langsamsten und muss heute im Qualifikationsrennen von der letzten Position starten. Schnellster war der in der Meisterschaft führende Laurent Aiello im Audi vor Mercedes-Pilot und Titelverteidiger Bernd Schneider. Dennoch lässt sich der Berliner nicht aus der Ruhe bringen. „Es ist ein Aufwärtstrend erkennbar. Mein Ziel ist es, in die Punkte zu fahren.“ Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Genau wie bis in die Formel 1.

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