Sport : Gewinnen reicht nicht

Potsdams Pokalsiegerinnen bieten Frankfurt erneut Paroli – wie lange noch?

Karsten Doneck

Berlin – Es klang wie eine Drohung. „Wir werden uns jetzt noch auf zwei, drei Positionen verstärken. Dann versuchen wir im nächsten Jahr wieder, den Pokal zu holen“, sagte Siegfried Dietrich, der Manager des 1. FFC Frankfurt. Seine Mannschaft war gerade im DFB-Pokalfinale der Frauen in Berlin auf etwas uninspirierte Weise in eine hochverdiente 0:3 (0:2)-Niederlage gegen Turbine Potsdam getaumelt. Da kann es sicher nicht schaden, dem siegreichen Rivalen schon mal ein bisschen Angst vor der nahen Zukunft einzujagen.

Ausgerechnet der 1. FFC Frankfurt, der Deutsche Meister, wurde im Berliner Olympiastadion entzaubert. Schon fünf Mal seit 1999 hat die Mannschaft um Birgit Prinz, die Weltfußballerin des Jahres, den Titel geholt, fünf Mal wurde sie Pokalsieger. Dem Klub wird sogar schon voller Hochachtung bescheinigt, zum FC Bayern des Frauenfußballs aufgestiegen zu sein. Wären da nur nicht diese wackeren Streiterinnen von Turbine Potsdam. Diese greifen in jüngster Zeit immer wieder störend in die Erfolgsgeschichte der Frankfurterinnen ein. Wie im DFB-Pokalfinale am Sonnabend. Oder wie im Vorjahr, als Turbine den Hessinnen sowohl Meisterschaft als auch Pokal wegnahm.

Die Geschichte des diesjährigen Finales hatte zwei nahe beieinander liegende Eckpunkte: Erst erzielte Conny Pohlers mit einer spektakulären Einzelaktion das 1:0, zwei Minuten später humpelte Birgit Prinz mit einer Oberschenkelzerrung vom Platz. Turbine Potsdam, zweikampfstärker und bei lähmender Hitze auch läuferisch überlegen, legte durch Tore von Petra Wimbersky und Anja Mittag nach. Bei den Frankfurterinnen schob Pia Wunderlich kurz vor Schluss einen Foulelfmeter neben das Tor.

Die Machtverhältnisse im deutschen Frauenfußball wurden durch den Pokalerfolg von Turbine Potsdam indes nicht neu geordnet. „Potsdam und wir stehen absolut an der Front im Frauenfußball“, sagte Siegfried Dietrich, der Manager des FFC. Es sieht allerdings so aus, als haben die Frankfurterinnen einen unschätzbaren Vorteil. „Die haben es doch vergleichsweise leicht in einer Wirtschaftsmetropole wie Frankfurt“, hat Bernd Schröder, Turbines Trainer, mal festgestellt. Für die Verantwortlichen des 1. FFC Frankfurt ist das Unfug. „Es liegt immer auch an den handelnden Personen, am Engagement des Vereins“, sagt Dietrich.

Die Frankfurter haben gerade mit der Commerzbank einen der Großen als Trikotsponsor gewonnen. Das Engagement läuft über ein Jahr, in Kürze wird aber bereits über eine längerfristige Bindung verhandelt. Der Etat – etwa 600 000 Euro – soll in absehbarer Zeit auf eine siebenstellige Summe ansteigen, die Einführung des Halbprofitums für die Spielerinnen sei erstrebenswert, sagt Dietrich. Und nicht erst seit der 0:3-Niederlage am Sonnabend sucht der Verein nach Verstärkungen. Sarah Günther, Nationalspielerin vom Hamburger SV, hat schon in Frankfurt unterschrieben. Zwei, drei weitere Spielerinnen sollen für die neue Saison noch hinzukommen. Auch welche aus Potsdam? „Natürlich gibt es da interessante Spielerinnen, aber speziell ein Auge haben wir auf keine geworfen“, behauptet Dietrich.

Während Frankfurt die Mannschaft namhaft verstärken möchte, kündigt Potsdams Trainer Bernd Schröder an: „Wir bleiben unserer Linie treu.“ Das heißt, es wird weiterhin vorrangig nach talentiertem Nachwuchs Ausschau gehalten. Die Verpflichtung ausländischer Spielerinnen käme höchstens in eng begrenztem Umfang in Frage. „Das würde nicht zu unserer Philosophie passen“, sagt Schröder. Es bleibt offen, ob Turbine auf diese Weise gegenüber dem 1. FFC Frankfurt dauerhaft konkurrenzfähig bleiben kann. Der Saisonetat stößt bei 500 000 Euro schon an eine nur mit viel Mühe zu erreichende Grenze.

Dass sich im Ergebnis des diesjährigen Pokalfinals nicht das wahre Kräfteverhältnis zwischen beiden Teams widerspiegelt, darauf wies Birgit Prinz dezent hin. Den Tränen nahe ließ Frankfurts Stürmerin beim Gang in die Kabine wissen: „Ich denke mal, dass wir nur einen schwachen Tag erwischt haben.“

Aber selbst Potsdams Trainer Bernd Schröder jubelte nach dem Abpfiff im Olympiastadion eher verhalten. Aus gutem Grund. Hinter ihm im Stadion hatte sich Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hingestellt – zum Gratulieren. „Da musste ich mich halt ein bisschen zusammenreißen“, sagte Bernd Schröder.

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