Sport : Gewinnwarnung auf Schalke

Der Verein nähert sich dem Tabellenende – kommt Bremens Torjäger Ailton schon im Winter?

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Die zweite Heimniederlage in dieser Saison hat beim FC Schalke 04 viele Fragen aufgeworfen – eine unangenehmer als die andere. Muss der Klub in der Fußball-Bundesliga nun nach unten schauen? Dem Manager des Vereins missfiel diese Frage, wie ihm überhaupt alle Fragen missfielen an diesem trüben Novembertag. „Wenn ich die Treppe runtergehe, muss ich auch nach unten schauen“, brummte Rudi Assauer beim Verlassen des Stadions. Nach einer missratenen Spielzeit hatten die Schalker die Bundesliga-Treppe mit großen Schritten hinaufklettern wollen. Spätestens nach dem 0:1 gegen Hansa Rostock müssen sie aufpassen, dass sie nicht stürzen.

Trainer Jupp Heynckes spricht nach dreizehn Spielen vorsorglich eine Gewinnwarnung aus. „Wir dürfen nicht blauäugig sein.“ Der Blick sei ins untere Drittel zu richten, auch wenn die Mannschaft dank der Dreipunkteregel mit zwei Siegen in Serie rasch wieder ins gesicherte Mittelfeld vorrücken könne. Mit seiner Warnung wendet er sich an jene, die sich durch den Heimsieg über Bayern München hatten blenden lassen. Viele Fans und auch manche Führungskraft hatten angenommen, der Schalker Rhythmus – einen Schritt vor und zwei zurück – sei durchbrochen.

Ein Irrtum. So fiel es Assauer sichtbar schwer, Contenance zu bewahren. „Ich kann es auch nicht ändern. Haut doch drauf, wenn ihr wollt“, rief er den Reportern zu und meinte vermutlich das Gegenteil. Die Fans hatten schon vorher „draufgehauen“. Ziel ihrer Verbalangriffe war vor allem der Stürmer Victor Agali. Die Anhänger sind es offenbar leid, den Angreifer regelmäßig am Tor vorbeischießen zu sehen, mag er sich anstrengen wie am Samstag oder nicht. Agali sei keineswegs einer der Schwächsten gewesen in diesem Spiel, sagt Assauer. Diese Wertung belegt aber nur, wie schwach die Schalker Gesamtleistung war.

Der kräftigste Hoffungsträger des Gelsenkirchener Angriffs kickt und trifft noch für Werder Bremen. Die drei Tore Ailtons gegen Bochum warfen abermals die Frage auf, ob Assauer versuchen wird, den Brasilianer schon in der Winterpause zu verpflichten und nicht erst zum kommenden Sommer. „Ailton spielt bei Werder Bremen“, antwortete der Manager auf diese Frage. Bis zum Saisonende? „Davon gehe ich aus.“ Wenn er bis Sommer warten muss, wird Ailton sich sportlich allem Anschein nach deutlich verschlechtern. Während Werder sich anschickt, um die Meisterschaft zu spielen, sinkt Schalke tiefer und tiefer. Dennoch sagt Heynckes, er sei „guten Mutes“, dass die Mannschaft gegen Bröndby Kopenhagen „ein anderes Gesicht zeigen“ werde.

Von einem neuen Gesicht für die Zukunft konnten die Schalker sich schon am Samstag verabschieden. Der Stuttgarter Nationalspieler Andreas Hinkel verlängerte seinen Vertrag mit dem VfB. Assauer, der dem Jungstar gar kein Angebot gemacht haben will, findet die Entscheidung „in Ordnung“. Es kann ja nicht jeder so mutig sein wie Ailton.

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