Sport : Gewöhnliche Sensation

Mit einem 2:1-Sieg über Meister Bremen stürmt Aufsteiger Mainz auf Platz drei

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Das Wort eines Präsidenten ist oft Gesetz in Fußballvereinen. Wenn das in Mainz auch so ist, dann wird es dort lustig. „Die Spieler sollen jetzt feiern bis zum nächsten Sonntag, wenn wir nach Schalke fahren“, sagte Harald Strutz im Überschaum der Gefühle. Denn wenige Minuten vorher hatten seine Angestellten wieder einmal für eine Sensation im Mainzer Bruchwegstadion gesorgt. 2:1 besiegten sie den Deutschen Meister und Pokalsieger Werder Bremen, obwohl sie schon 0:1 zurückgelegen hatten. Wobei in Mainz niemand von einer Sensation sprechen wollte. „Das war heute harte Arbeit, und meine Jungs haben eine richtig, richtig gute Bundesligapartie gespielt“, lobte Trainer Jürgen Klopp seine Mannschaft. Und damit hatte er Recht. Denn das Spiel war von Beginn an auf hohem Niveau. Besonders die erste Halbzeit war etwas für TaktikÄstheten. Beide Mannschaften spielten mit offensiven Abwehrreihen und kaum ein Spieler konnte sich richtig entfalten, weil alle Räume zugestellt waren. Trotzdem ergaben sich Tormöglichkeiten. Insbesondere für den Deutschen Meister. Kurz vor der Halbzeit hätte Bremen in Führung gehen können, aber Schiedsrichter Helmut Fleischer pfiff ein Tor von Charisteas ab, weil zuvor Tim Borowski im Abseits gestanden haben soll. Eine klare Fehlentscheidung. Zehn Minuten nach der Halbzeit hatte Fleischer nichts mehr einzuwenden. Charisteas schloss einen Konter erfolgreich ab. Danach vergaßen die Bremer aber weiterzuspielen und überließen den Mainzern das Feld. „Wir sind immer im Spiel geblieben“, sagte Klopp, der mit der Einwechslung von Ranisav Jovanovic den Impuls für die Aufholjagd gegeben hatte. Denn der 23-Jährige bereitete beide Mainzer Treffer vor. Erst flankte er auf Niclas Weiland, der nur noch zum 1:1 einschieben musste, und in der Nachspielzeit spielte er Benjamin Auer an, der das 2:1 erzielte und den Startschuss für eine weitere große Party im Bruchweg gab.

Bei Werder war dagegen Katerstimmung. „Wir hatten alle Trümpfe in der Hand, aber haben nach der Führung viel zu nachlässig gespielt“, sagte Werders Trainer Thomas Schaaf. Manager Klaus Allofs wurde deutlicher: „Wenn wir so weiterspielen, müssen wir unsere Ansprüche, die wir vor der Saison hatten, aufgeben.“ Die Ausgangssituation sei hervorragend gewesen, „aber auf dämliche Art und Weise haben wir das hier verloren“. Im Mittelpunkt beim Deutschen Meister stand einmal mehr Johan Micoud. In der ersten Halbzeit spielte der französische Spielmacher ordentlich und bereitete in der zweiten auch das Tor vor, aber vor dem 2:1 verlor er leichtfertig den Ball. Statt nachzusetzen, winkte er gelangweilt ab. „Micoud hat heute ein normales Spiel gemacht, aber so etwas wie vor dem 1:2 darf einem Spieler seiner Klasse einfach nicht passieren“, schimpfte Allofs. Jürgen Klopp war es egal. Der dachte eher etwas besorgt an die Worte des Präsidenten. „Meine Spieler haben morgen wieder Training, und da will ich auch alle sehen“, sagte Klopp. „Aber ein bisschen vor die Tür dürfen sie nach diesem Sieg schon gehen.“

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