Sport : Gewollt glücklich

Trainer Mamic spricht nach Lichterfeldes Abstieg von Erfolg und Spaß – doch seine Zukunft ist unklar

Helen Ruwald

Berlin - Das vergangene Wochenende war heftig für Matej Mamic. Am Sonntag sah er von der Tribüne der Max-Schmeling-Halle, wie Alba Berlins Basketballer beim Triumph gegen Meister Bamberg von 8000 Fans gefeiert wurden. Mamics Profikarriere endete im November 2005 an selber Stelle, als er im Spiel gegen Trier so unglücklich stürzte, dass er vorübergehend gelähmt war. Aus dem jetzigen Team „war damals nur Philip Zwiener schon dabei. Es ist eine neue Mannschaft mit einem neuen Trainer“, sagt der Kroate. Es ist nicht mehr sein Alba-Team, deswegen tut es auch nicht weh, der Mannschaft zuschauen zu müssen. „Aber es war hart, meine Freunde spielen zu sehen“, erzählt Mamic. Er meinte die Alt-Berliner und Neu-Bamberger Mithat Demirel und Demond Greene. Greene saß nach schwerer Fußverletzung zwar nur auf der Ersatzbank, steht aber kurz vor dem Comeback.

Auch Mamic hat mit aller Gewalt mehr als ein Jahr lang für ein Comeback gekämpft, ehe er sich seinem Körper und den Koordinationsproblemen geschlagen gab. Seit Saisonbeginn trainiert er die Jungs von Albas Kooperationspartner TuS Lichterfelde in der neugegründeten Liga „Pro B“. Am Tag vor dem Bamberg-Spiel ist TuSLi endgültig in die Regionalliga abgestiegen, gestern Abend beendete das Team die Saison immerhin mit einem 85:75-Sieg gegen den Tabellenletzten Bielefeld.

„Es ist egal für mich, ob wir auf- oder absteigen. Mein Job ist, dass die Spieler besser werden“, sagt Mamic. „Fast alle haben große Fortschritte gemacht.“ Ständig musste er improvisieren und mehr Spieler als gedacht an das vom Verletzungspech verfolgte Team von Alba Berlin abgeben. Zudem sind die Gegner teilweise älter und erfahrener. „Wenn diese Jungs nicht die Nachwuchsmannschaft von Alba wären – ich wäre schon längst woanders“, hatte Mamic im November frustriert gesagt, „ich kann überhaupt nicht zeigen, was ich kann.“ Dabei traute er sich zu, fast ohne Trainererfahrung ein Profiteam zu coachen.

Mittlerweile klingt er versöhnlicher, wie jemand, der sich in seine Aufgabe hineingebissen hat – oder dazu angehalten worden ist, sich nicht öffentlich zu beklagen. „Mir macht die Arbeit Spaß. Dieser Weg ist der beste, um eine Trainerkarriere zu starten“, sagt Mamic jetzt, der zu Saisonbeginn noch Koordinationsprobleme beim Vormachen von Übungen hatte und nach wie vor zur Physiotherapie geht.

Ein Jahr läuft sein Vertrag noch, doch ein klares Bekenntnis zum Weitermachen hat Matej Mamic noch nicht abgegeben. „So ein Prozess mit einem jungen Team dauert zwei, drei Jahre, nicht ein Jahr. Über andere Optionen habe ich noch nicht nachgedacht, Alba ist meine Familie“, sagt Mamic zwar, fügt aber hinzu: „Ich weiß nicht, was morgen ist.“ Alba Berlins Teammanager Henning Harnisch will sich nicht zu Mamics Arbeit und Zukunft äußern, „bevor die Saison ganz beendet ist, das mache ich erst am Montag“. Dann wird sich zeigen, ob Mamic und Alba weiter einen gemeinsamen Weg gehen. Oder ob Mamics Trainerkarriere in Berlin gescheitert ist.

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