Sport : Gewonnen in der Niederlage

Gladbach zieht aus dem Spiel in Kiew neuen Mut.

von und

Kiew - Granit Xhaka stand eine halbe Stunde vor Mitternacht minutenlang wie eine Statue auf dem Rasen des Olympiastadions von Kiew. Reglos und zutiefst enttäuscht nahm der Neuzugang von Borussia Mönchengladbach einen Sieg zur Kenntnis, der eigentlich keiner war: Das Fußballwunder war ausgeblieben. Dementsprechend fiel die erste Reaktion des 19 Jahre alten Schweizers aus: „Ich war wütend auf uns selbst. Wir haben’s im Hinspiel vermasselt.“ Nach dem 1:3 im Hinspiel waren den Gladbachern gegen Dynamo Kiew nur noch minimale Chancen auf einen Einzug in die Champions League zugetraut worden – am Ende aber scheiterten die Borussen nur denkbar knapp. Das 2:1 (0:0) reichte nicht ganz.

Die siegreichen Verlierer respektive unterlegenen Gewinner waren dementsprechend hin- und hergerissen zwischen Stolz und Frust. Borussias Stürmer Mike Hanke verstieg sich zu einem scheinbar gewagten Vergleich: „Das war ja fast wie Bayern München oder Real Madrid.“ Doch die Gladbacher waren nicht nur ebenbürtig, sie stellten in der Tat die klar überlegene Mannschaft. 60 Prozent Ballbesitz, und das auswärts, sprachen Bände. „Ich habe mit keiner meiner Mannschaften ein solch dominantes Spiel wie hier in Kiew erlebt“, sagte Borussias überragender Innenverteidiger Martin Stranzl. Für Kapitän Filip Daems war es „ein fast perfektes Spiel“. Nach dem Eigentor von Jewgeni Chatscheridi (70. Minute) und Juan Arangos Kopfballtreffer (78.) fehlte den Gladbachern nur noch ein Tor zur Sensation, und selbst nach dem Anschlusstreffer durch den Nigerianer Ideye Brown mit Kiews erster echter Möglichkeit (88.) hatten die Gladbacher noch eine gute Chance, um zumindest die Verlängerung zu erreichen.

„Wenn wir das dritte Tor gemacht hätten, hätten alle gesagt: Wow, was für eine geile Mannschaft“, sagte Hanke. So aber bleibt dem Verein nur die Teilnahme an der Europa League. Aber was heißt schon „nur“, wenn man nach 16 Jahren Abstinenz überhaupt wieder europäisch spielen darf. „Wir freuen uns drauf“, sagte Hanke. „Wir werden Spaß daran haben.“ Zumal auch der kleinere und weniger lukrative Europapokalwettbewerb attraktive Gegner bereithält und die Gladbacher bei der heutigen Auslosung in Topf vier landen. „In der Europa League spielen Topmannschaften wie Liverpool, Tottenham, Newcastle, Lazio Rom und Inter Mailand“, sagte Trainer Lucien Favre. „Und natürlich Borussia Mönchengladbach.“

Dass sich Mike Hanke Inter Mailand als Gegner wünschte, sagte einiges über das neue Selbstvertrauen der Mannschaft, zu dem auch der Auftritt in Kiew beigetragen hatte. „Wir sehen doch, dass wir Spiel für Spiel besser werden“, sagte Granit Xhaka, der sich im Vergleich zu seinen ersten Einsätzen für Borussia deutlich gesteigert hatte. Kleine Schritte nach vorn zu machen, wie es der erfahrene Martin Stranzl vorhat – das ist das Ziel: „Wir haben viele junge Spieler. Wenn die aus solchen Erfahrungen lernen und sich weiterentwickeln, schaut’s doch gar nicht so schlecht aus.“ dpa/dapd

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben