Giro d'Italia : Motoren als Hilfsmittel für die Radprofis?

Beim Giro d'Italia wurden die Fahrräder der Profis auf unzulässige Hilfsmotoren überprüft. Gefunden wurde zwar nichts, aber völlig abwegig scheinen derartige Betrugsversuche nicht zu sein.

Alles nur Gerüchte. Aber: mit Motor ginge es definitiv leichter den Berg hoch.
Alles nur Gerüchte. Aber: mit Motor ginge es definitiv leichter den Berg hoch.Foto: dpa

Beim zweitgrößten Radrennen der Welt suchen Kontrolleure jetzt auch nach verbotenen PS. Zum dritten Mal wurde beim am Sonntag zu Ende gehenden Giro d'Italia nach unzulässigen Hilfsmotoren in den Rennmaschinen der Radprofis gefahndet - wieder ohne Befund. Die Manipulations-Verdächtigungen sind aber wohl mehr als nur Gerüchte in einer Branche, der viel zuzutrauen ist. „Wo Rauch ist, da ist auch Feuer“, sagte Wjatscheslaw Jekimow, Manager des russischen Rennstalls Katusha, der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die Kontrollen im Anschluss an die 18. Etappe am Lago Maggiore.

„Die Sättel wurden demontiert und die Pedalen abgebaut, um ins Innere der Lager zu blicken“, erklärte der Weltverband UCI in einem Statement. Eingehend untersucht wurden unter anderen die Räder des Etappensiegers Philippe Gilbert, des Gesamtführenden Alberto Contador und dessen zeitweiligen Begleiters und Tempomachers auf der Etappe nach Verbania, Ryder Hesjedal.

Auslöser der jüngsten Kontrollen waren Polemiken über den Radwechsel Contadors auf der 16. Etappe kurz vor dem Aufstieg zum Mortirolo. Das Tinkoff-Saxo-Team machte einen Plattfuß bei Contador verantwortlich und erzählte, das Mannschaftskollege Ivan Basso Contador sein Vorderrad ganz flott ausgebaut und seinem Kapitän gegeben habe.

Die UCI nimmt die Möglichkeit einer derartigen Manipulation ernst

Giuseppe Martinelli, Sportdirektor vom Konkurrenzteam Astana, hegt Zweifel an dieser Darstellung. „Als ich an Basso vorbeikam, war sein Rad komplett, Vorder- und Hinterrad waren eingebaut. In einem solchen Fall warten die Fahrer normalerweise am Straßenrand auf den Materialwagen“, meinte Martinelli. In einem Artikel der Sportzeitung „L'Equipe“ waren außerdem Zweifel an Contadors Radwechsel geäußert worden.

Die UCI nimmt die Möglichkeit einer derartigen Manipulation offensichtlich ernst. Anfang diesen Jahres erweiterte sie ihren Strafenkatalog um den Punkt 12.1.013 bis mit dem Stichwort „technologischer Betrug“. Fahrer werden mit sofortiger Disqualifikation, einer anschließenden Sperre von mindestens sechs Monaten und Strafzahlungen belegt. Auch deren Teams würden sofort disqualifiziert und dürften mindestens sechs Monate nicht an Rennen teilnehmen. Die Geldstrafen bewegen sich zwischen 100 000 und einer Million Franken.

Gegen Fabian Cancellara wurden schon 2010 Vorwürfe erhoben

Technisch ist die Manipulation denkbar. „L'Equipe“ traf den ungarischen Ingenieur Istvan Varjas, der seit 2010 an kleinen, leisen und unauffälligen Motoren arbeitet und nach eigenen Angaben Prototypen für Preise zwischen 100 000 und 150 000 Euro verkauft hat. Die ersten Vorwürfe, elektrische Antriebe zu benutzen, waren 2010 gegen den mehrfachen Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara erhoben worden. Sie konnten aber nicht belegt werden.

Giro-Starter begrüßen die Kontrollen. „Es ist gut, dass die UCI das macht. Denn die Gefahr besteht auf jeden Fall. Und das ist zumindest eine Manipulation, die man leicht kontrollieren kann, leichter wahrscheinlich als irgendwelche neuen Präparate, für die es noch keine Tests gibt“, meint der Berliner Simon Geschke. Martinelli vom mit Dopingaffären belasteten Rennstall Astana ist diesmal auf der Seite der Guten: „Motoren in Fahrrädern - das wäre das Letzte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer das macht.“ (dpa)

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