Giro d'Italia : Richie Porte will zurückschlagen

Richie Porte wurde beim Giro d'Italia mit einer Zwei-Minuten-Strafe belegt. Trotzdem glaubt der Australier noch an seine Chance - beim Zeitfahren am Samstag will er Spitzenreiter Alberto Contador angreifen.

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Da grinst er noch. Richie Porte wurde mit einer Zeitstrafe belegt.
Da grinst er noch. Richie Porte wurde mit einer Zeitstrafe belegt.Foto: AFP

Im Frühjahr durfte sich Richie Porte noch als stärkster Mann im Straßenradsport fühlen. Er ging nach einer beeindruckenden Siegesserie und einer Rekordzeit am einstigen Trainingsberg von Lance Armstrong voller Euphorie in den Giro d’Italia. Dort wurde er mit einer umstrittenen Zeitstrafe von zwei Minuten von einer strengen Jury unter Vorsitz eines deutschen Steuerfachassistenten ausgebremst. Beim langen Zeitfahren am Samstag über 59,4 Kilometer durchs Prosecco-Anbaugebiet rings um Treviso hat der Australier gute Chancen, zumindest diesen Rückstand auf den Gesamtführenden Alberto Contador wieder aufzuholen und dem Rennen neue Spannung zu bringen.

Was wäre der Giro d’Italia ohne seine Polemiken? Zum Ende der 10. Etappe wurde Porte mit einer Zwei-Minuten-Strafe belegt, weil er nach einem Platten im Finale die Hilfe seines Landsmanns Simon Clarke in Anspruch genommen hatte. Clarke gab Porte selbstlos sein Vorderrad; der zu diesem Zeitpunkt auf dem dritten Gesamtplatz liegende Sky-Profi jagte Leader Contador hinterher. Die Aktion hatte das Zeug, als eine Geschichte von Kameradschaft und Solidarität in die Annalen des Radsports einzugehen. Denn die Australier fuhren in unterschiedlichen Teams. Clarkes Orica-Rennstall hat mit der Gesamtwertung bei der Italienrundfahrt auch nichts mehr zu tun, sodass der hilfsbereite Profi keine Schelte von seinem Arbeitgeber befürchten musste.

Die beiden Australier machten die Rechnung aber ohne das Kleingedruckte im Reglement der UCI. Das verpflichtete die Rennjury unter dem Vorsitz des Deutschen Ingo Rees nämlich zur Verhängung einer Strafe von 200 Franken und zwei Minuten für beide beteiligten Fahrer.

Eine Solidaritätsaktion des Feldes wurde kurzfristig abgesagt

Die Regel wird selten angewandt. Selbst Giro-Direktor Mauro Vegni konnte sich nicht erinnern, in seiner 40-jährigen Radsport-Karriere einen solchen Fall erlebt zu haben. Ex-Profi Robert Millar erinnerte an die Dauphine-Rundfahrt 1995, als ihm das Castorama-Team aus der Patsche half – und ihn keine Strafe ereilte. Auch der Berliner Jens Voigt würde sicherlich nicht so fröhlich von seiner sensationellen Verfolgungsfahrt nach einem Sturz bei der Tour de France 2010 auf dem Kinderrennrad eines Zuschauers erzählen, wenn ihm danach noch eine Strafe aufgebrummt worden wäre.

Porte konnte sich des Mitleids der meisten Berufskollegen sicher sein. Zur ganz großen Solidaritätsaktion hatten sie dann aber doch nicht die Traute. Für die folgende Etappe wurde eine Massenaustauschaktion von Rädern vorgeschlagen. Aus dem Wort wurde aber keine Tat.

Porte trifft die Zurückstufung in einem pikanten Moment. Denn er ist in diesem Frühjahr in der Form seines Lebens. Nach Umstellungen in der Ernährung – vor allem der Verzicht auf Burger und Alkohol – nahm er nach eigenen Angaben fünf Kilo ab und kommt jetzt immer besser über die Berge. Er setzte sogar eine neue Allzeitbestmarke am Col de la Madone, einem Anstieg im Bergland hinter Nizza. Hier bestritt Lance Armstrong sein Training nach dem Dopingprogramm des Dottore Michele Ferrari und hielt lange die Bestzeit mit 30:47 Minuten. Chris Froome legte 2013 30:09 Minuten hin. Und noch einmal ein ganz gewaltiges Stück schneller war schließlich Porte mit 29:40. Mehr als eine Minute schneller also als Armstrong zu dessen besten Tagen – welche Leistungssprünge von einem Mann eines nach eigenen Angaben „Zero Tolerance“-Rennstalls.

Mit dieser Power in seinen Beinen geht Porte nun in das Zeitfahren am Samstag. Seine Aussichten sind nicht schlecht, weil Contador wegen seiner Schulterverletzung seine Sitzposition verändern muss, was die Aerodynamik beeinflusst. Ausgleichende Ungerechtigkeiten in einem kuriosen Rennen.

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