Gladbach - Dortmund 1:1 : Dortmund verspielt die Tabellenführung

Borussia Dortmund muss sich im Spitzenspiel gegen die Borussia aus Mönchengladbach mit einem 1:1 begnügen und ist die Tabellenführung erstmal wieder los.

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Nach dem Abpfiff verließen die Dortmunder enttäuscht den Platz.
Nach dem Abpfiff verließen die Dortmunder enttäuscht den Platz.Foto: afp

Von wem sie an diesem speziellen Nachmittag besonders intensiven Beistand erbaten, das machten die Profis von Borussia Mönchengladbach vor dem Anpfiff sehr deutlich. Kaum hatte das Personal von Cheftrainer Lucien Favre seinen internen Anfeuerungskreis aufgelöst, joggten die weiß gekleideten Fußballer rasch noch die paar Schritte hinüber vor die Nordkurve. Und ihre fordernden Gesten machten klar: Die treuesten der Treuen sollten sich beim Gipfeltreffen mit der Borussia aus Westfalen noch mehr ins Zeug legen als sonst. Getreu der Ankündigung von Angreifer Mike Hanke, der vorab betonte: „Mit unseren Fans im Rücken haben wir eine Riesenchance, das Spiel zu gewinnen.“ 

Um die eigene Riesenchance, mit einem Auswärtssieg am Niederrhein einen gewaltigen Schritt hin zur Herbstmeisterschaft zu unternehmen, wusste aber auch der BVB. Doch am Ende gewann in einem vor allem in der Schlussphase munteren Hin und Her weder die eine noch die andere Borussia. Stattdessen gab es ein 1:1. Wobei die Dortmunder die Partie lange Zeit bestimmt hatten – nicht zuletzt deshalb, weil sie nicht primär auf ihre Anhänger, sondern auch auf die eigenen Fähigkeiten zählen konnten. 

Dieses Selbstvertrauen hatte sich die Mannschaft mit den wichtigen jüngsten Siegen in der Meisterschaft – ein 1:0 in München, gefolgt von einem 2:0 gegen Schalke – erarbeitet. Und dass der Gegner mit Marco Reus auf seinen überragenden Akteur der zurückliegenden Wochen verzichten musste, erleichterte die Angelegenheit für die Dortmunder durchaus. 

Alle wundergläubigen Gladbach-Fans, die noch auf eine Blitzgenesung des jungen Nationalspielers gehofft hatten, wurden enttäuscht: Zwanzig Minuten vor dem Anpfiff lief Reus in weißem Hemd und dunkelblauem Pullover durch das Treppenhaus des Borussia-Parks und antwortete auf die zugerufene Frage, wann ihm sein gebrochener kleiner Zeh denn erlauben würde, wieder zu spielen: „Vielleicht in zwei Wochen.“ 

Keine Fragen offen blieben kurz darauf, als es um die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen ging. Der BVB übernahm vom ersten Moment an mit der Selbstverständlichkeit eines Meisters und Tabellenführers die Initiative, schon nach wenigen Sekunden musste Gladbach-Kapitän Filip Daems in höchster Not gegen Mario Götze zur Ecke klären. Dortmund war sofort im Spiel, umso überraschender kam die Großchance für Raul Bobadilla, den die Verletzung von Reus in Favres Anfangsformation gespült hatte.

 Urplötzlich stand der Argentinier mehr oder weniger unbewacht vor Gäste-Keeper Roman Weidenfeller, machte dann aber deutlich, dass er zuletzt am 28. August beim 0:1 in Gelsenkirchen in der Gladbacher Startelf gestanden hatte: Der bullige Südamerikaner legte sich den Ball recht langsam und durchaus kompliziert vom linken auf den rechten Fuß und brachte am Ende nur einen seltsam unplatzierten Heber zuwege. Mehr Großchancen gestatteten die Dortmunder, die sehr offensiv gestaffelt standen, ihren Gastgebern vor der Pause nicht. Und wenn die Hausherren einmal in die Nähe des BVB-Tores kamen, war ihren Aktionen stets anzumerken, wie sehr ihnen Marco Reus als Anspielstation abging. 

Bei der Klopp-Elf hingegen vermisste man nichts – außer den überfälligen Führungstreffer. So klärte in der 16. Minute Rechtsverteidiger Tony Jantschke in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten BVB-Stürmer Robert Lewandowski. Die offenkundig verwirrten Gladbacher fielen vorrangig durch leichte Fehlpässe im Mittelfeld auf, der Tabellenführer durch den emsigen Götze, der ständig an einer anderen Ecke in Erscheinung trat. 

Jürgen Klopp sah sich das Treiben zufrieden von seiner Coaching Zone aus an, während der Kollege Lucien Favre seine Spieler gegen Ende der ersten Halbzeit mit wilden Handbewegungen an mehr taktische Disziplin gemahnte. Das Führungstor für Dortmund fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff konnte der Einsatz des Schweizers trotzdem nicht verhindern: Im Anschluss an eine Ecke sprang Lewandowski deutlich höher als Roman Neustädter und köpfte den Ball zum angemessenen 1:0 ins Netz. 

Nach dem Seitenwechsel knüpfte der Besuch aus dem Ruhrgebiet an die Leistung der ersten 45 Minuten an, versäumte es aber, die Verhältnisse mit dem zweiten Treffer endgültig zu klären. Dieses Versäumnis wurde in der 72. Minute bestraft: Aus dem zentralen Mittelfeld spielte Bobadilla einen feinen Pass auf Hanke, der problemlos zum Ausgleich vollendete. Mit einem Mal genossen die Gladbacher, vom eigenen Publikum nun heftig nach vorne getrieben, doch noch das erhoffte Oberwasser. Eine vergebene Chance von Innenverteidiger Dante (80.) blieb jedoch die einzige Ausbeute, dann war das Remis aktenkundig.

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