Gladbach - Dortmund 2:0 : Der BVB ist überlegen unterlegen

Borussia Dortmund beeindruckt beim Auswärtsspiel gegen Borussia Mönchengladbach – und verliert am Ende dennoch mit 0:2. Besonders bitter lief es für Mats Hummels.

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Zugelangt! Mats Hummels sah Rot.
Zugelangt! Mats Hummels sah Rot.Foto: AFP

Jürgen Klopp kraulte sich nachdenklich das bärtige Kinn, ehe er mit einem grundsätzlichen Hinweis zum Alltag bei Borussia Dortmund aufwartete. „Wir bereiten uns auf jedes Spiel gewissenhaft vor“, berichtete der Cheftrainer der Westfalen, der über das 0:2 bei Borussia Mönchengladbach staunte: Alle Gewissenhaftigkeit war bei der ersten Niederlage des Vizemeisters in der Bundesliga in dieser Saison vergeblich gewesen. Denn, so erkannte Klopp konsterniert: „Diese Überlegenheit war in keiner unserer Analysen möglich.“ Eine Sekunde Pause. Und dann: „Trotzdem war es so.“

Es war so, dass der BVB trotz unfassbarer Dominanz in der ersten Halbzeit mit leeren Händen die Rückreise antrat – und die vor der Pause hoffnungslos überforderten Gladbacher am Ende nicht nur ein glückliches Remis, sondern alle drei Zähler ergatterten. Das Team von Lucien Favre feierte im vierten Heimspiel der Saison den vierten Heimsieg, biss sich im oberen Tabellendrittel fest – und doch kündigte der Übungsleiter angesichts der ersten 45 Minuten an diesem Nachmittag Konsequenzen an. „Wir müssen grundsätzlich härter trainieren“, hatte Favre erkannt.

Während der Kollege Klopp zwischen halb vier und viertel nach vier mit dem vierten Schiedsrichter ganz entspannt das eine oder andere Spieldetail erörtern konnte, wusste der wild gestikulierende Favre gar nicht, was ihn angesichts des defensiven Chaos’ seiner Mannschaft am meisten aufregte.

Dortmunds Plan war es offenbar, nach dem anstrengenden Spiel am Dienstag in der Champions League gegen Marseille möglichst früh in Führung zu gehen. Zwar mussten die Zuschauer angesichts der überwältigenden Dominanz der Westfalen in der ersten Halbzeit befürchten, dass das Spielfeld irgendwann zur nördlichen Seite hin kippen würde. Doch Gladbachs Torwart Marc-André ter Stegen gab auch zu bedenken: „Wir haben immerhin gegen Dortmund gespielt – und nicht jede Chance, die sie hatten, war auch ganz klar.“

Es waren vielmehr extrem viele Tormöglichkeiten: Die erste vergab nach fünf Minuten der frühere Gladbacher Marco Reus, als er den Ball aus spitzem Winkel diagonal ins obere Toreck zwirbeln wollte, sein Ziel aber um einen Meter verfehlte. Und so ging es ohne Unterbrechung weiter: Nuri Sahin per Freistoß; Mats Hummels, der die Aufregung im Strafraum der Gastgeber nicht nutzen konnte und an Schlussmann ter Stegen scheiterte; Reus, der seinen Widersachern Granit Xhaka und Martin Stranzl erst die Hacken zeigte, mit seinem Rückpass vors Tor dann aber den lauernden Robert Lewandowski verfehlte; Distanzschüsse von Kevin Großkreutz und Sahin; ein Schuss von Pierre-Emerick Aubameyang, der knapp am Torpfosten vorbeistrich – oder eine weitere Möglichkeit für Reus von der linken Seite. Nichts führte zum Erfolg.

„In der ersten Halbzeit haben wir geschlafen. Es war ein Wunder, dass wir mit einem 0:0 in die Kabine gegangen sind“, sagte Favre. Nach dem Seitenwechsel aber verteidigte sein Team höher und traf nun auf einen Gegner, dessen Offensivaktionen die Schärfe und die Entschlossenheit der ersten Hälfte abgingen. Schon nach einer Stunde vergab Gladbachs Linksverteidiger Oscar Wendt vom Elfmeterpunkt aus eine Großchance zur Führung – und zwanzig Minuten später leistete sich BVB-Innenverteidiger Hummels im eigenen Strafraum ein ungeschicktes Foul an Havard Nordtveit. Hummels sah Rot, Max Kruse verwandelte den Strafstoß – und fünf Minuten später machte Raffael mit dem 2:0 den erschöpften Dortmundern den Garaus. Hinzu kamen Verletzungen der Dortmunder Sven Bender und Nuri Sahin, deren Schwere nach dem Spiel noch nicht bekannt waren.

„Ein ungewöhnliches Spiel“, seufzte Jürgen Klopp und hielt fest: „Wir haben Gladbach am Leben gelassen – und das fühlt sich bescheiden an.“

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