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Gladbach - Köln 3:0 : Gladbach lässt Köln keine Chance

Die Fohlen überrennen die Geißböcke: Unter dem neuen alten Trainer Frank Schaefer verliert Köln mit 0:3 und wartet nun seit sieben Begegnungen auf einen Sieg gegen den Nachbarn.

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Wie vom Hafer gestochen: Der Mönchengladbacher Juan Arango (vorne) jubelt mit Marco Reus (r.), Mike Hanke (M.) und Havard Nordtveit (l.) über seinen Treffer zum 1:0.
Wie vom Hafer gestochen: Der Mönchengladbacher Juan Arango (vorne) jubelt mit Marco Reus (r.), Mike Hanke (M.) und Havard...Foto: dpa

Seinen ersten Einsatz hatte der Mönchengladbacher Verabschiedungschor bereits um 15.49 Uhr. Das Derby zwischen der rheinischen Borussia und dem 1. FC Köln war gerade mal 20 Minuten alt, Filigrantechniker Juan Arango hatte die Gastgeber soeben mit einem direkt verwandelten Freistoß in Führung geschossen – und nun sangen die Gladbacher Fans in der nördlichen Ecke des Borussia-Parks davon, wie schön es doch sei, die Kölner künftig in der Zweiten Liga Fußball spielen zu sehen. So weit ist es zwar noch nicht ganz, doch auch unter dem neuen alten Cheftrainer Frank Schaefer setzen die Kölner ihre sportliche Talfahrt weiter fort.

Mit dem 0:3 (0:1) in Gladbach, das beim Duell um die Direktqualifikation für die Champions League nun bis auf einen Zähler an Schalke herangerückt ist, schrumpfte der Vorsprung der Schaefer-Elf auf Hertha BSC auf dem direkten Abstiegsplatz 17 auf einen Punkt zusammen. Da nutzten auch die Sofortmaßnahmen des Kölner Interimscoachs nichts, der nach zwei Trainingseinheiten und reichlich Einzelgesprächen die von seinem Vorgänger Ståle Solbakken zuletzt verbannten Milivoje Novakovic (Störenfried) und Slawomir Peszko (Alkoholsünder) in die Startelf beorderte.

„Ich habe mit beiden im letzten Jahr gute Erfahrungen gemacht. Aber keine Frage: Sie müssen das Vertrauen jetzt auch zurückzahlen“, betonte Schaefer. Der trainierte den FC bereits von Oktober 2010 bis April 2011. Nach ausgiebigen Überredungsbemühungen der ausgedünnten Kölner Klubspitze erklärte er sich nun bereit, für die letzten vier Spiele die Verantwortung zu übernehmen – und bekam gleich zum Neustart zu spüren, auf welch schwierige bis aussichtslose Mission er sich da eingelassen hat.

Seine Mannschaft enttäuschte gegen keineswegs überragende Gladbacher auf der ganzen Linie. Die begnadigten Peszko (nach 58 Minuten ausgewechselt) und Novakovic fielen dabei besonders negativ auf. Allein einer Reihe von Glanzparaden ihres Torhüters Michael Rensing bei einem wunderbaren Volleyschuss von Mike Hanke, einem Heber von Marco Reus und gegen den allein vor ihm stehenden Hanke hatten es die Kölner zu verdanken, dass der Pausenrückstand mit 0:1 noch recht gnädig ausfiel.

„Ich musste die Reset-Taste drücken und in dieser Situation noch einmal ganz von vorne anfangen“, erläuterte Schaefer seine Grundüberlegung. Der feine Plan allerdings stürzte nach der Pause krachend zusammen. Gleich nach Wiederbeginn kamen Mittelfeldspieler Christian Clemens und Novakovic zwar noch zu einer passablen Doppelchance. Doch kurz darauf wurde das Gesicht von Frank Schaefer an der Seitenauslinie lang und länger.

Zuerst, als der kurz vor der Pause für den verletzten Roman Neustädter eingewechselte Tony Jantschke bei einem Reus-Freistoß schneller reagierte als die Kölner Verteidigung und per Kopf zum 2:0 traf. Als wäre ihm sein Treffer peinlich, hielt sich der 22-Jährige beschämt die Hand vor den Mund. Kein Problem mit seinem Treffer hatte dagegen Nationalspieler Reus, der zwei Minuten später mitten durch die Gästeabwehr spazierte, den Ball neben den Pfosten ins Tor platzierte und Schaefer so den nächsten Tiefschlag versetzte.

„Einer geht noch, einer geht noch rein“, verspotteten die Gladbach-Fans den vermeintlichen Kölner Absteiger. Dank Rensing, der noch zwei Mal glänzend gegen Arango und Roel Brouwers parierte, blieb den Kölnern aber zumindest diese Prognose erspart.

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