Gladbach - Leverkusen 2:2 : André Schürrle hat gut zugehört

Der Nationalspieler Andre Schürrle sichert Leverkusen beim 2:2 in Gladbach kurz vor Spielende einen Punkt.

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Viel Erfreuliches konnte Robin Dutt vom 2:2 (0:1)seiner Vizemeister beim vorjährigen Beinahe-Absteiger Mönchengladbach auf die kurze Busfahrt nach Leverkusen eigentlich nicht mitnehmen. Umso erstaunter war Bayers Cheftrainer beim Blick auf seine doch recht stattliche Tagesausbeute. „Wenn wir überhaupt etwas Positives mit nach Hause nehmen“, legte Dutt grummelig los, „sind das zwei Dinge.“ Erstens: „Dass wir in Unterzahl noch zum Ausgleich gekommen sind." Zweitens: „Dass wir einen erstklassigen Torhüter haben.“ Und während er so redete, fiel dem gebürtigen Kölner noch ein: „Dass André Schürrle heute sein erstes Bundesligator für uns geschossen hat.“

Es war der finale Treffer in einem kurzweiligen Spiel – für dessen Unterhaltungswert aber fast ausschließlich Gladbachs Fußballer sorgten. Die Leverkusener Führung durch Stefan Reinartz lähmte beim Team von Lucien Favre nur vorübergehend Geist und Körper. Kurze Zeit leisteten sich die Borussen den einen oder anderen leichten Fehlpass, am Ende aber musste Dutt gestehen: „Ab der 30. Minute hat Gladbach ein schnelles Passspiel mit nur einem Ballkontakt von sehr hoher Qualität gezeigt, auf das wir im Prinzip für die restliche Spielzeit keinen Zugriff bekommen haben.“

Für einen Punkt reichte es nach zwei Treffern der dauerkonternden Borussia durch Marco Reus und Patrick Herrmann für die Gäste am Ende trotzdem. Dank Schürrle, dem Sportdirektor Rudi Völler nach dessen fünftem Treffer im Nationalteam vorsichtig ins Gewissen geredet hatte. „Ich habe ihn ein bisschen am Ohrläppchen gezogen und ihm gesagt, dass er nicht nur beim DFB, sondern ruhig auch mal bei uns treffen darf“, berichtete Völler vor dem Anpfiff.

Neuzugang Schürrle, der bislang nur bei Bayers Pokal-Aus in Dresden getroffen hatte, folgte Völler aufs Wort – und machte aus seiner Erleichterung später kein Hehl. „Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen“, gestand der 20-Jährige, der nur ungern auf seine Torflaute beim neuen Klub zurückblickte: „Man macht sich Druck und versucht es zu erzwingen.“ Schürrle ist seine persönliche Last nun genommen, die Leverkusener als Ganzes sind dagegen auch nach neun Spielen noch immer nicht richtig in die Saison gekommen.

So sah das auch Schürrle, der sagte: „Nach der Führung haben wir den Faden komplett verloren – für den Punkt müssen wir uns bei Bernd bedanken.“ Gemeint war Bernd Leno. Der 19-jährige Leihkeeper aus Stuttgart spielte mit geschienten Fingern und unterstützt von einer schmerzstillenden Spritze und trieb die Gladbacher, allen voran den Neu-Nationalspieler Marco Reus, mit einer Reihe von Glanzparaden zur Verzweiflung.

In der letzten Szene vor dem Schlusspfiff schoss Reus dem tausendarmigen Keeper sogar noch einen Ball direkt ins Gesicht. Mit unschönen Folgen für Leno, der kurzzeitig das Bewusstsein verlor. „Am Anfang wusste ich nicht, wie das Spiel ausgegangen ist. Aber dann habe ich auf die Anzeigetafel geschaut, das 2:2 gesehen und mir gedacht: Alles gut“, erzählte der tief in sich ruhende Torhüter.

Von den Kollegen, von denen Gonzalo Castro für einen unfeinen Kommentar („Du Blinder“) in Richtung Schiedsrichterassistent Jan-Hendrik Salver Rot gesehen hatte, erwartet Leno in Zukunft etwas mehr Widerstand. Denn, so der viel beschäftigte Torhüter: „Es freut mich natürlich nicht, wenn der Reus oder irgendein anderer Stürmer des Gegners immer vor mir steht.“

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