Gladbachs Pokal-Aus : Abrupt und schmerzhaft

Mönchengladbach und der DFB-Pokal - das passt scheinbar nicht mehr zusammen.

Gregor Derichs[Mönchengladbach]

Torwart Logan Bailly lag mit seinem mächtigen Körper flach im Strafraum, andere Gladbacher hockten am Mittelkreis, den Blick nach unten gerichtet. „Wenn es dich so plötzlich trifft, dann ist es besonders bitter“, sagte Abwehrspieler Tobias Levels. In der zweiten Runde des DFB-Pokals traf es ihn und seine Kollegen von Borussia Mönchengladbach am Dienstag erst nach einer Spielzeit von 90 Minuten und 57 Sekunden.

In der Nachspielzeit, als sich fast alle der 45 300 Zuschauer auf eine Verlängerung eingerichtet hatten, erzielte Kristoffer Andersen für den MSV Duisburg ein herrliches Tor. Es war ein Lucky Punch, wie der 23-Jährige später zugab, ein Sonntagsschuss, geschlenzt mit dem rechten Außenrist aus 16 Metern hinweg über Bailly. Kurz danach wurde die Partie abgepfiffen. Neben dem 4:2 nach Verlängerung des Viertligisten Trier über den Zweitligisten Arminia Bielefeld war dies die nächste Überraschung der zweiten DFB-Pokal-Runde. Zweitligist MSV Duisburg warf den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach mit 1:0 aus dem Pokal.

„Das Tor fiel viel zu spät, um noch reagieren zu können“, klagte Gladbachs Trainer Michael Frontzeck. „Das war ein ganz bitterer Abend, wir müssen ganz schnell aus unseren Fehlern lernen.“ Die gleiche Forderung hatte er schon am Samstag an seine Spieler gerichtet. Zum zweiten Mal nach dem 2:4 gegen Hoffenheim verlor seine Mannschaft, weil sie in der Schlussphase zusammenbrach. Wie in der Bundesliga war die Niederlage im Pokal bis weit in die zweite Halbzeit kaum vorauszusehen. Dann kam sie abrupt und schmerzhaft.

Das Duell gegen Duisburg sollte eigentlich dazu dienen, nach Niederlagen in Nürnberg und gegen Hoffenheim das Team aufzurichten. Aber Pokal und Gladbach, das passt nicht mehr richtig zusammen. Im Juli 2004 zog der Verein vom Bökelberg in den Nordpark um, wo bisher 89 Bundesliga- und 17 Zweitliga-Spiele stattfanden. Die Damen und Herren, die zuletzt die Loskugeln gezogen haben, meinten es nicht gut mit dem dreimaligen Pokalsieger. Achtmal in Serie traten die Gladbacher auswärts an, viermal scheiterten sie in der zweiten Runde. Beim ersten Pokalheimspiel im Borussia-Park hatte Frontzeck gehofft, einen Schritt Richtung Berlin zu vollziehen, um im familieninternen Wettbewerb aufzuholen. Während sein Vater Friedhelm 1960 mit den Gladbachern Pokalsieger wurde, schaffte er selbst mit der Borussia 1984 gegen den FC Bayern nur eine Finalteilnahme.

Die Familiengeschichte wurde auf der anderen Seite geschrieben. Kristoffer Andersen, Sohn des früheren Kölner Bundesligaspielers Henrik Andersen, wurde erst zum zweiten Mal in einem Profispiel eingewechselt. Vor den Augen seines Vaters verschaffte der ehemalige Gladbacher den Duisburgern neue Zuversicht.

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