Glaube, Ruhe, Solidarität : Was die deutsche Mannschaft jetzt braucht

Trotz des Ausscheidens im EM-Halbfinale gibt es allen Grund zum Optimismus für die deutsche Mannschaft. Unter gewissen Voraussetzungen.

von , und
Auf Wiedersehen. Die deutsche Mannschaft um Mesut Özil hat bei der EM nicht enttäuscht, trotzdem müssen die jungen Spieler um Mesut Özil jetzt Kritik einstecken.
Auf Wiedersehen. Die deutsche Mannschaft um Mesut Özil hat bei der EM nicht enttäuscht, trotzdem müssen die jungen Spieler um...Foto: dpa

Mehr Vertrauen in die eigene Stärke!

Eines war gegen Italien überraschend und erschreckend zugleich: wie leicht die deutsche Mannschaft nach dem Rückstand von ihrer Spielphilosophie abkehrte und wie wenig sie in das vertraute, was sie zuvor stark gemacht hatte. Kaum flüssige Kombinationen, viel Stückwerk und lange Bälle. Waren die gewollt? Oder ein Akt der Verzweiflung? Weil der Gegner kein anderes Spiel zuließ? Zu oft versuchte es die deutsche Mannschaft nach dem Rückstand mit hohen Anspielen aus dem Halbfeld. Das Ergebnis war immer gleich: Die groß gewachsenen italienischen Abwehrspieler köpften den Ball meist mühelos aus der Gefahrenzone. Bis zum Halbfinale hatte das Kombinationsspiel die deutsche Mannschaft ausgezeichnet, an diesem Abend aber fand der Ball auf direktem Weg nur selten die Mitspieler. Sicher, Löws Umstellungen haben nicht dazu beigetragen, das deutsche Spiel im Rhythmus der vergangenen Spiele zu halten, aber eine Abkehr von der gewohnten Spielidee waren sie nicht. Stattdessen verließ die Spieler während der 90 Minuten das Selbstvertrauen. Schon im WM-Halbfinale vor zwei Jahren gegen Spanien kam der deutschen Mannschaft der Glaube an die eigenen Stärken abhanden, als es wichtig wurde. Sie zog sich zurück, agierte passiv.

Sehen Sie im Video: Wie Löw das Ausscheidend der deutschen Mannschaft einschätzt

Nicht an dem zu zweifeln, was das eigene Spiel ausmacht, ist aber wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Mannschaft. Die Spanier werden gerade für ihr stetes Kurzpassspiel kritisiert. Ihnen fehle ein Plan B, falls es nicht läuft. Bisher ging es immer gut. Spanien bleibt sich treu, bei wichtigen und unwichtigen Spielen. Immer. Zwischen den verlorenen Halbfinalspielen von Kapstadt und Warschau hat Deutschland kein Pflichtspiel verloren, es bestand also kein Grund, vom eigenen Spiel abzurücken. Daran sollten sich die Spieler erinnern. Erst recht, wenn es wieder gegen Italien geht. Sebastian Stier

30 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben