Glaubwürdigkeit im Radsport : Altlast Astana

Der 2007 gegründeten „Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport“ hängt noch immer der skandalträchtige Rennstall Astana mit dem überführten Doper Winokurow als Teamchef an. Ein schlechter Witz, meint unser Autor. Ein Kommentar.

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Astana-Profi Lars Boom hatte vor der Tour einen auffälligen Cortisol-Wert - ist bei der Rundfahrt aber trotzdem im Starterfeld.
Astana-Profi Lars Boom hatte vor der Tour einen auffälligen Cortisol-Wert - ist bei der Rundfahrt aber trotzdem im Starterfeld.Foto: AFP

Das englische Kürzel MPCC steht für „Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport“. In der MPCC haben sich 2007 vor dem Start der Tour de France in London viele große Profiteams zusammengeschlossen, um ein Gegengewicht zur Dopingszene der Armstrong-Ära zu schaffen. Dabei war auch der kasachische Rennstall Astana. Damals konnte man nur ahnen, was das für ein Team werden würde. Aus heutiger Sicht ist die Mitgliedschaft von Astana in der MPCC aber nur ein schlechter Witz.

Das Team steht schließlich für alles, was ein glaubwürdiger Radsport eben nicht braucht. An der Spitze steht als Teamchef der überführte Doper und Ex-Telekom-Profi Alexander Winokurow. Das Team hatte im vergangenen Jahr fünf Dopingfälle und musste 2015 lange bangen, um überhaupt seine Lizenz zu behalten. Letztlich scheute der Radsport-Weltverband UCI aber die juristische Auseinandersetzung, Astana behielt die Lizenz. Kurz vor dem Start der aktuellen Tour wurde nun bei Astana-Profi Lars Boom ein auffälliger Cortisol-Wert festgestellt – kein Beweis, aber ein Hinweis auf Doping. Laut MPCC-Regeln hätte das für den Holländer acht Tage Fahrverbot bedeutet. Winokurow scherte das nicht. Glaubwürdiger Radsport sieht aber anders aus.

Astana ist und bleibt eine Altlast, die dem Radsport massiv schadet. Dass die UCI nicht in der Lage ist, dieses Problem juristisch aus der Welt zu schaffen, ist auch kein gutes Zeichen. Die MPCC hat Astana gestern immerhin vorläufig ausgeschlossen, was Winokurow wohl ebenfalls ziemlich kalt lassen wird. Wie so vieles in seiner schmutzigen Karriere.

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