Sport : Global Player mit Bundesadler

Lars Spannagel weiß nicht, ob er sich auf Chris Kaman freuen soll

Lars Spannagel

Chris Kaman spricht kein Deutsch, er ist nicht in Deutschland geboren und hat nie bei einem deutschen Verein gespielt. Trotzdem wird er in dieser Woche erstmals ein Basketballtrikot mit dem Bundesadler tragen. Der NBA-Profi hat rechtzeitig zum olympischen Qualifikationsturnier die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, weil seine Urgroßeltern aus Deutschland stammen – und aus „überragenden sportfachlichen Erwägungen“, wie Innenminister Wolfgang Schäuble sagt. Kurzfristig wird Kaman dem Team helfen, ob seine Einbürgerung langfristig schadet, hängt davon ab, ob sein Vorbild Schule macht.

Der Trend geht zur Internationalmannschaft: Kaman soll Deutschland nach Peking werfen, bei der Fußball-EM profitierten Türken, Spanier und Polen von eingebürgerten Brasilianern. Diese Entwicklung passt in die Zeit, kann aber schnell kippen. Denn Auswahlteams sind eine der letzten Instanzen, mit denen sich eine Nation identifiziert. Mit jedem eingebürgerten Ausländer kühlt diese Beziehung ab. Die Frage ist: Wie viel Globalisierung kann ein Nationalteam verkraften? Nicht umsonst schritt die Fifa 2004 ein, als Katar um die Brasilianer Ailton und Dede eine Mannschaft zusammenkaufen wollte. Im Fall Kaman wird entscheidend sein, ob er sich glaubwürdig als deutscher Nationalspieler präsentiert. Und ob ihm eine Vielzahl weiterer Legionäre folgt.

Die Basketball-EM 2007 entschied übrigens der Russe J.R. Holden – geboren in Pittsburgh, Pennsylvania – durch einen Wurf in letzter Sekunde. Die kyrillischen Buchstaben in seinem Pass, sein eigener Name, sind für Holden nur Hieroglyphen. In Russland wurde er trotzdem als Held gefeiert.

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