Sport : Glück durch Fujisan

Formel 1: Toyota und Honda hoffen auf die Zukunft

Der Fujisan ist ein scheuer Geselle. So selten lässt er sich blicken, dass sein bloßer Anblick dem Betrachter nach japanischem Glauben viel Gutes verheißen soll. In dieser Hinsicht steht die Austragung des Großen Preises von Japan auf dem Fuji Speedway unter guten Vorzeichen – im Gegensatz zum vergangenen Jahr ist die monumentale Silhouette des heiligen Vulkans an diesem Wochenende nicht dauernd von Wolken verhüllt und tatsächlich immer wieder zu sehen. Hoffentlich haben die Vertreter der japanischen Formel-1-Teams Toyota und Honda auch besonders gut hingeschaut – denn für sie geht es nicht nur darum, beim Rennen am Sonntag (6.30 Uhr MESZ/RTL und Premiere) so gut wie möglich auszusehen, sondern auch darum, in Zukunft endlich einmal die hohen Erwartungen zu erfüllen, die man im Heimatland stellt.

Das gilt besonders für Toyota – immerhin ist der Automobilriese der Eigentümer der Strecke von Fuji. Um dem Interesse gerecht zu werden, ist Toyota-Pilot Timo Glock schon seit mehr als einer Woche in Japan. Er absolvierte in der Zwischenzeit ein umfangreiches Programm voller Marketing- und PR-Veranstaltungen. „Ich habe eine Menge Fans getroffen und hoffe, das ihre Unterstützung uns in unserem Kampf um den vierten Platz in der Konstrukteurs-WM helfen wird“, sagte der Wersauer. Im Qualifying half es nur bedingt: Glock wurde als bester Deutsche zwar Achter, hatte sich aber „ein bisschen mehr erhofft“ (siehe Kasten).

Der neue Anspruch zeigt auch, dass Toyota nach Jahren der Stagnation in dieser Saison – auch dank Glocks Einsatz – endlich ein Schritt nach vorne gelungen ist. In der nächsten Saison will die in Köln beheimatete Formel-1-Abteilung weitere folgen lassen, unterstützt auch durch die umfassenden Reglementsänderungen. So werden die Autos mit veränderter Aerodynamik, profillosen Reifen (Slicks) und dem neuen Energierückgewinnungssystem „Kers“ an den Start gehen. „Dadurch könnte sich einiges verschieben“, hofft Glock. „Ich denke, dass zum Beispiel die Rückkehr der Slicks ein Punkt ist, der mir persönlich entgegenkommen könnte.“

Noch stärker auf einen Fortschritt durch die Regeländerungen spekuliert der Rivale. Bei Honda merkte man schon zu Saisonbeginn, dass das Auto auch in diesem Jahr trotz immensen finanziellen Aufwands nur zum gemütlichen Hinterherfahren taugt. Daran konnte auch Taktikgenie Ross Brawn, Ende 2007 als neuer Technischer Direktor zu den Japanern gestoßen, nichts mehr ändern. Der Hintermann aller WM-Titel von Michael Schumacher gab deshalb aus: „Vergessen wir 2008 und konzentrieren uns gleich auf 2009.“ Kurzfristig tuckert Honda deswegen am Ende des Feldes herum, langfristig könnte sich der Plan auszahlen: In der Kers-Entwicklung gilt Honda sogar als führend.

Brawns Traum, für diesen Neuaufbau den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso zu holen, dürfte inzwischen allerdings ausgeträumt sein: Der Spanier bleibt wohl doch noch ein weiteres Jahr bei Renault. Dass Honda deswegen nun doch mit der mehr als erfolglosen Paarung Jenson Button und Rubens Barrichello weitermacht, ist trotzdem fraglich. Gerade Barrichellos Platz ist alles andere als sicher, der Brasilianer weiß, dass Honda mit seinem Landsmann Bruno Senna verhandelt. Hondas Geschäftsführer Nick Fry würde den Neffen des 1994 tödlich verunglückten dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna liebend gern holen, doch Brawn ist noch skeptisch, den Neubeginn mit einem Neuling zu wagen. Senna wartet nun auf eine Testchance im November, um Brawn überzeugen zu können.

Vielleicht überzeugt Brawn ja auch, dass die erfolgreichste Zeit seines Arbeitgebers in der Formel 1 eng mit dem Namen Senna verbunden ist. Drei WM-Titel holte Ayrton Senna zwischen 1988 und 1991 für McLaren-Honda. Für den Anfang würde es schon reichen, wenn Honda im nächsten Jahr beim Rennen in Japan nicht mehr ganz so weit hinterherfährt. Das findet dann auf der Strecke in Suzuka statt – und die gehört Honda.

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