Sport : Glück im Abseits

Bayern München erkämpft ein 1:1 beim SV Werder – und verhindert so Bremens Tabellenführung

Morten Holm

Bremen. Ottmar Hitzfeld ließ sich erst spät von den unbestechlichen Fernsehbildern überzeugen. Als er die Szene aus der 79. Minute dreimal gesehen hatte, musste auch der Trainer des FC Bayern München zugeben, dass diesem Tor eine Abseitsstellung von Claudio Pizarro vorausgegangen war.

Als nämlich der eingewechselte Willy Sagnol seine Flanke in den Strafraum des SV Werder Bremen schickte, stand der peruanische Stürmer der Münchner näher zum Bremer Tor als jeder andere Akteur der Partie Werder Bremen gegen Bayern München – der Schiedsrichterassistent hätte die Fahne heben müssen, bevor Pizarro den Ball mit der Hüfte zum Ausgleich und Endstand über die Linie drücken konnte.

Das tat er nicht, und so freuten sich die Bayern, vor dem Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen den RSC Anderlecht einen wichtigen Auswärtspunkt geholt und etwas für das Selbstbewusstsein getan zu haben.

Eine Viertelstunde später in der Pressekonferenz zeigte sich Hitzfeld geläutert. Und ehrlich. „Man hat gesehen, dass es Abseits war. Aber wir nehmen das Geschenk gern an“, sagte er. Überhaupt war der Coach der Münchner sehr einverstanden mit fast allem, was er da zusammen mit 43 000 Zuschauern im ausverkauften Bremer Weserstadion gesehen hatte. „Bremen ist seit Wochen in Hochform, wir waren zuletzt nicht auf einem so guten Level. Deswegen bin ich mit dem Punkt zufrieden.“

Vor allem die Neu-Positionierung im Mittelfeld wertete Hitzfeld als Gewinn. Er hatte Michael Ballack ganz weit nach hinten gestellt – die neue, ungewohnt defensive Aufgabe erfüllte der Nationalspieler schmucklos und erfolgreich, dabei aber fast unsichtbar. Sein Kapitän Oliver Kahn lobte: „Michael hat sich heute für die Mannschaft aufgeopfert.“ Werder kam auch deswegen nicht wie gewohnt ins Spiel, immer wieder fingen die Münchner den Gegner im Mittelfeld ab oder ließen den schnellen Bremer Stürmer Ailton ins Abseits laufen. Im ersten Durchgang gelang dies allein sechs Mal.

Vorn spielten die Bayern offensiv wie selten zuvor: Neben Pizarro stürmten mit Santa Cruz und Makaay zwei weitere Mittelstürmer. Hitzfeld sagte: „Das hat ganz gut funktioniert, wir haben ja nicht nur mitgespielt, sondern viel zur Partie beigetragen.“ Zwei gute Möglichkeiten vergaben jedoch Pizarro in der 13. Minute und Makaay in der 41. Minute. Bis dahin hatten die Münchner deutliche Vorteile gehabt.

Recht überraschend fiel dann die Bremer Führung nach der Pause: Nachdem Bixente Lizarazu im Strafraum Ivan Klasnic gefoult hatte, zeigte Schiedsrichter Knut Kircher auf den Elfmeter-Punkt. Von dort traf Ailton in seinem 100. Bundesligaspiel zum 1:0 ins Tor. Danach vergab er noch zwei gute Chancen. Es war der 14. Treffer des Bremer Brasilianers.

Bis zum Münchner Ausgleich erregte nur noch die 74. Minute die Gemüter, als Ismael einen Schuss von Santa Cruz kurz vor der Linie rettete. Dann folgte die umstrittene Szene, die später natürlich vor allem den Bremer Trainer Thomas Schaaf ärgerte: „Es war eindeutig Abseits. Ich bleibe dabei, wir haben zwei Punkte verloren. Hätten wir gewonnen, wäre es sicher ein glücklicher Sieg gewesen. So aber haben wir uns das Spiel aus den Händen nehmen lassen.“

Es zeugt natürlich auch vom neuen Bremer Selbstbewusstsein, dass ihnen ein Punkt gegen den Deutschen Meister nicht mehr reicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar