Sport : Glück im Spiel

Bayern München gewinnt zum Start der Bundesliga in letzter Minute 2:1 gegen Wolfsburg

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Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) orientiert sich gerne an den ganz Großen. Eine neue Bundesligasaison darf nicht einfach nur beginnen, sie muss mit großem Pomp eröffnet werden, so wie Olympische Spiele oder eine Fußball-Weltmeisterschaft. Die Zeremonie besitzt allerdings einen eher spröden Charme, auch wenn die DFL sich immer wieder etwas Neues ausdenkt. Diesmal wurden junge Mädchen in mannshohe Gummibälle gesperrt, die dann in einer exakt bemessenen Choreografie über den Rasen flitzen mussten. Eines aber bleibt – bei allen Neuerungen – immer gleich: Seit 2002 darf der Meister in einem vorgelagerten Freitagsspiel die Saison eröffnen, nie startete er seitdem mit einer Niederlage. So war es auch gestern im Duell des FC Bayern München mit seinem Vorgänger VfL Wolfsburg. Bis in die Nachspielzeit hielten die Wolfsburger ein Unentschieden, dann traf Bastian Schweinsteiger zum 2:1 (1:0). „Wir hatten es eigentlich nicht verdient zu gewinnen“, sagte Thomas Müller.

Der Fußball braucht kein großes Brimborium, er besitzt seinen eigenen Charme, auch wenn einem einiges bekannt vorkommt. Nach nicht einmal 50 Sekunden wurde Franck Ribéry zum ersten Mal mit einem Foul gestoppt, nach zehn Minuten war für die Fans der Bayern die Saison schon wieder erledigt. Aus der Südkurve erklang ein überzeugtes und überzeugendes: „Deutscher Meister wird nur der FCB.“ Da führte der Titelverteidiger durch einen Treffer von Thomas Müller bereits mit 1:0. Nach einem schönen Lupfer von Toni Kroos hatte der Nationalspieler mit einem Drehschuss das erste Tor der 48. Bundesliga-Spielzeit erzielt. Bis auf Rückkehrer Kroos standen ausschließlich Spieler in der Bayern-Mannschaft, die in der vorigen Saison das Double gewonnen hatten. Kroos spielte als hängende Spitze hinter Miroslav Klose, Müller nahm die rechte Außenposition des verletzten Arjen Robben ein. In der Viererkette hatte Trainer Louis van Gaal Holger Badstuber von links in die Mitte versetzt – auf den Platz von Martin Demichelis. Der Argentinier war von dieser Entscheidung so enttäuscht, dass er darum bat, gar nicht erst nominiert zu werden: lieber auf der Tribüne sitzen als auf der Bank.

Auch Wolfsburgs Trainer Steve McClaren musste bei seinem Bundesligadebüt ein wenig improvisieren. Den Spielmacher Zvjezdan Misimovic ließ der Engländer freiwillig auf der Bank, auf Arne Friedrich musste er zwangsweise verzichten: Der frühere Berliner konnte wegen Rückenbeschwerden nicht spielen. Der zweite ehemalige Herthaner Cicero stand zwar in der Wolfsburger Startelf, hatte im Mittelfeld aber einen eher unscheinbaren Auftritt.

Doch damit fiel der Brasilianer in seiner neuen Mannschaft nicht einmal besonders ab. McClaren stand mehrmals an der Spitze seiner Coaching Zone, um seine Spieler zu einer offensiveren Verteidigung anzuhalten. Wie junge Kaninchen flüchteten die Wolfsburger bei Ballbesitz der Bayern zurück an ihren Strafraum. Dabei wollten die Münchner gar nicht beißen, sondern nur ein bisschen spielen. Sie beschränkten sich weitgehend auf Ballkontrolle, die Wolfsburger ließen sie gewähren, so dass die erste Halbzeit wenig Spektakuläres zu bieten hatte: eine weitere Chance für Müller, eine gute Gelegenheit für Diego Contento – das war’s.

Von den Wolfsburgern kam bis zur Pause gar nichts, nach der Pause dafür umso mehr. McClaren hatte Misimovic eingewechselt und seiner Mannschaft damit das Zeichen gegeben, mutiger aufzutreten. Die Wolfsburger verstanden den Hinweis. In den ersten zehn Minuten der zweiten Hälfte hatten die Gäste fünf gute bis exzellente Chancen. Erst traf Mario Mandzukic, Neuzugang aus Kroatien, den Pfosten, dann flog ein Schuss von Edin Dzeko knapp am Tor vorbei, ein weiterer landete am Außennetz, Misimovic scheiterte gleich darauf an Torhüter Jörg Butt, nachdem er zwei Bayern ausgetänzelt hatte, genauso wie Dzeko nach einem Missverständnis zwischen Butt und Daniel van Buyten. „Meine Mannschaft ist übermütig aus der Kleiderkabine gekommen“, sagte Louis van Gaal.

Bayerns Abwehr kippelte bedenklich, und es passte zu ihrem Auftritt nach der Pause, dass sie schließlich von Edin Dzeko per Kopf im Anschluss an eine Ecke bezwungen wurde. Das Spiel, das in der ersten Halbzeit leise vor sich hingeköchelt hatte, stand nach dem 1:1 nun richtig unter Dampf. Die Bayern drückten, die Wolfsburger konterten, so dass es doch noch eine richtig amüsante Sache wurde. Vor allem für die Bayern, die dank Schweinsteigers Tor doch noch mit einem Sieg in die Saison starteten.

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