Sport : Glück im Winkel

Klaus Rocca

Er erzählt die Geschichte gern. Kam ein Brief vom Himmel geflattert, direkt in die Arme eines Mannes. Der fand darin ein Amulett und die Bitte, möglichst viele Kopien anzufertigen und diese all jenen zu schenken, die an die Wirkung dieses Glücksbringers glauben. Gabor Kiraly bekam eines dieser Amuletts. Und glaubt seitdem felsenfest, dass es ihm Glück bringt.

Irgendwie muss das mit dem Amulett nicht so richtig geklappt haben. Jedenfalls noch bis vor kurzem nicht. Da war Kiraly ohne Fortune, obwohl er - doppelt hält besser - auch noch stets ein Trikot mit der Nummer 13 unter seinem Pullover trägt. Er, um den sich noch Monate zuvor viele Vereine, auch aus dem Ausland, gerissen hatten, war monatelang nur noch Mittelmaß. Sehr zum Leidwesen seines Arbeitgebers Hertha BSC. Der musste nämlich registrieren, dass seinem Stammtorhüter die Souveränität abhanden gekommen war. An so manchem Gegentor war der Ungar schuld, steckte seine Vorderleute mit seiner Unsicherheit an. Oder umgekehrt.

Vergessen und verziehen. Gegen Bremen war Gabor Kiraly endlich wieder der Alte. Und am Sonntagabend, beim Spiel im Nürnberger Frankenstadion, auch. "Er hat das Spiel für uns mit entschieden", lobte hernach Trainer Jürgen Röber. Um dann schnell hinzuzufügen: "Aber dafür ist er ja auch Torhüter, um auch mal hundertprozentige Torchancen zu vereiteln. Was er davor leider nicht tat." Bloß nicht zu viel Lob. Es könnte dem 25-Jährigen zu Kopfe steigen.

Die Gefahr ist nicht groß. Kiraly sieht bei sich Fehler, die andere nicht sehen. "In der ersten Halbzeit habe ich einige Stellungsfehler gemacht, die für einen Außenstehenden nicht erkennbar sind", kritisiert er sich selbst. Dass er bei einem Freistoß den Ball schlecht abprallen ließ und kurzzeitig Gefahr heraufbeschwor, sahen auch andere. Beim Gegentreffer war er machtlos. Es hätten ihm bei dem Schuss von Frank Wiblishauser viele Spieler die Sicht versperrt, und dann sei der Ball auch noch abgefälscht worden. "Da kann ich mir keinen Vorwurf machen." Muss er auch nicht.

Lange musste sich der Mann mit den fast schon legendären Schlabberhosen den Vorwurf gefallen lassen, mit seinen Eskapaden auf dem Rasen Schlimmes zu verursachen. Vor Jahren, als er mal in Dortmund Bachirou Salou zeigen wollte, wer der bessere Dribbler ist, und der ihn für dieses Ansinnen mit einem Gegentor bestrafte, gab es ein kräftiges Donnerwetter vom Trainer. Kiraly nahm es sich zu Herzen. Freilich nur für kurze Zeit. Für Einlagen war er auch später gut. Die einen lächelten, die anderen fluchten, je nach Temperament.

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Jetzt hat Gabor Kiraly, gelernter Gärtner, wieder sein Idealgewicht. Und ist auf dem besten Wege, wieder der große Rückhalt zu werden. Jürgen Röber weiß das, doch er weiß auch, "dass Gabor dafür noch viel tun muss". Zum richtigen Gewicht müssten auch professionelles Denken, volle Konzentration und Fitness kommen. Da schwingen noch gewisse Vorbehalte mit. "Gabor hat eben seinen eigenen Kopf", sagt Röber. Könnte heißen: Gewisse Marotten werde ich diesem Mann wohl nicht mehr austreiben können.

Zeit hätte er noch. Der Vertrag Kiralys, der 1997 für geradezu lächerliche 200 000 Mark von Haladas Szombathely geholt wurde und seinen Marktwert um Millionen gesteigert hat, läuft noch bis zum Jahr 2004. Wie wertvoll er sein kann, beweist er gerade. Dass es just auch mit Hertha BSC nach oben geht, muss kein Zufall sein.

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