Sport : Glück mit Wucht

In der Nachspielzeit erzielt Alexander Madlung für Hertha BSC den Ausgleich zum 1:1 gegen Bremen

Michael Rosentritt

Berlin - Als die Hoffnung am kleinsten war, griff Falko Götz zum allerletzten Mittel. Der Trainer von Hertha BSC beorderte seinen langen Innenverteidiger Alexander Madlung vor das Bremer Tor. Die 90 Spielminuten sowie die angezeigte Verlängerung von einer Minute waren rum, der SV Werder führte im Berliner Olympiastadion durch ein Tor von Charisteas, und nur die kühnsten Geister unter den 47 411 Zuschauern glaubte, dass noch ein Tor fallen würde. Aber genau so kam es. Schiedsrichter Albrecht ließ diese eine Ecke noch ausführen. Herthas Spielmacher Marcelinho trat sie, und auf Höhe des ersten Pfostens stieg Alexander Madlung hoch und nickte unwiderstehlich den Ball zum Ausgleich ein. Anschließend pfiff der Schiedsrichter das Spiel nicht mehr an.

Alexander Madlung also. Vor einer Woche war er im Spiel gegen Freiburg wegen eines Irrtums des Schiedsrichters vom Platz gestellt worden. Anschließend war er vom Sportgericht des DFB freigesprochen worden. Zum Glück für Hertha, denn Madlungs Tor bescherte den Berlinern einen wichtigen Punkt. Herthas Anhängerschaft feierte das späte Unentschieden wie einen Sieg. Die Spieler waren in die Kurve gelaufen. Sie setzten sich auf die blaue Laufbahn und beobachteten für ein paar Minuten das Treiben ihrer Fans in den Rängen. Die Fans sangen und tanzten, als wenn ihre Mannschaft gerade den Meister haushoch geschlagen und nicht durch Glück in allerletzter Sekunde zum Ausgleich gekommen wäre. „Mit dem Ausgleich hat sich die Mannschaft belohnt“, sagte Trainer Götz später. „Wie es zu Stande kam, ist mir ziemlich wurscht. Wichtig ist, dass die Mannschaft bis zum Schluss an sich geglaubt hat.“

Der Bremer Trainer Thomas Schaaf dagegen war außer sich. „Mich ärgert, dass man der Willkür ausgesetzt ist, wenn nämlich der Schiedsrichter so lange spielen lässt, wie er möchte und nicht wie er angezeigt hat.“ In der Tat hatte der Schiedsrichter eine Spielminute als Nachspielzeit mitteilen lassen. Der Ausgleich aber fiel später. Unverdient aber war er nicht. Hertha kam zwar „zu kompliziert“ (Götz) ins Spiel, hatte aber mehr Willen und Einsatz gezeigt. Schaaf sah „kein berauschendes Spiel“. Für die Bremer war es das siebente Spiel innerhalb von drei Wochen, „das hat man heute gemerkt“, sagte Schaaf. Seine Spieler wirkten schwerfällig. Das Spiel litt zudem unter vielen Fehlpässen auf beiden Seiten und den vielen Unterbrechungen nach Fouls. In dieser Form war Bremen schlagbar, doch Herthas Mittelfeld konnte nicht genügend Druck aufbauen. Rafael Nando, als einzige Sturmspitze aufgeboten, bekam kaum Zuspiele oder Flanken. In der 40. Minute drosch er einen Ball über die Latte, 25 Minuten später parierte der Bremer Torwart Reinke einen Schuss des Angolaners.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Bremer nicht einmal Herthas Torwart Christian Fiedler, der erstmals als Kapitän auflief, geprüft. Schaaf wechselte Klose und Klasnic, den gefährlichsten Sturm der Liga, aus und brachte Valdez und Charisteas. Der Grieche war es dann, der in der 80. Minute einen Freistoß von Micoud zur Führung nutzte. Fredi Bobic, den Götz für Abwehrspieler Oliver Schröder gebracht hatte, stand nicht nah genug bei Charisteas. Als nichts mehr ging, schickte Herthas Trainer Alexander Madlung nach vorn. Der hatte zuvor Klasnic abgemeldet und war mit 82 Prozent gewonnener Zweikämpfe der stärkste Spieler auf dem Platz. Madlung, ein Typ Wuchtfußballer, war in dieser Rolle schon ein paar Male erfolgreich gewesen. Gestern nun klappte es wieder mit einem wichtigen Tor.

„Für solche Fälle ist er ein Spezialist“, sagte Manager Dieter Hoeneß. „Man kann schon sagen, er ist eine Waffe.“

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