Sport : Glück und Plastikbecher

Der 1. FC Union trennt sich 1:1 von Ingolstadt.

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Remis auch in der Luft. Unions Christoph Menz im Duell mit Ahmed Akaichi. Foto: dpa
Remis auch in der Luft. Unions Christoph Menz im Duell mit Ahmed Akaichi. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Selbst beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Union gibt es Zuschauer, die frühzeitig nach Hause gehen. All jene, die das auch gestern so hielten, verpassten jedenfalls eine spannende Schlussphase im Punktspiel zwischen den Köpenickern und dem FC Ingolstadt. Beim 1:1 (0:0) überschlugen sich die Ereignisse sogar derart, dass ein Teil der vornehmlich einheimischen Fans unter den 15 461 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei die Nerven verlor. Dutzende Getränkebecher sowie zahlreiche Feuerzeuge flogen von der Waldseite und von der Gegengeraden auf das Spielfeld, auch eine Plastikflasche landete auf dem Platz.

Der Ordnungsdienst der Köpenicker kam fast nicht mehr hinterher, die Gegenstände zu entfernen, die vor Ablauf der 90. Minute geworfen worden waren. Und als Schiedsrichter Norbert Grudzinski aus Hamburg in der Nachspielzeit nach Rücksprache mit einem seiner Assistenten auf Strafstoß für die Ingolstädter entschied, ging das unschöne Spektakel erst richtig los. Für die Fans des Berliner Zweitligisten aus Köpenick, die deutschlandweit eigentlich einen guten Ruf genießen, war das ein peinlicher Ausrutscher, da waren sich hinterher alle Beteiligten einig.

Gefrustet waren auch die Akteure von Unions Trainer Uwe Neuhaus. Die meisten beließen es allerdings bei verbalen Protesten, Nur nicht Verteidiger Fabian Schönheim, der vor dem Elfmeter auf den Ball spuckte. Dabei sollte der Elfmeter gar keine Folgen haben. Roberto Puncec hatte im Strafraum seinen Gegenspieler leicht gehalten und damit den umstrittenen Strafstoß provoziert. Doch die Gäste nutzten die große Chance zum möglichen Auswärtssieg nicht. Ingolstadts bulgarischer Winter-Neuzugang Ilijan Micanski lupfte die Kugel einen Tick zu lässig. Zwar saß Unions Schlussmann Daniel Haas bereits geschlagen am Boden, doch der Ball tropfte auf die Oberkante der Latte und danach zum Entsetzten der wenigen Ingolstädter Fans in die Arme von Haas.

Der brüllte seine Freude heraus, wenige Sekunden später war die vornehmlich von den Gästen bestimmte Begegnung zu Ende. „So unterschiedlich können Spiele sein. Am Montag nach dem 2:2 bei Hertha haben wir zwei verlorenen Punkten hinterher getrauert. Nun müssen wir froh sein, einen Punkt ergattert zu haben. Wir sind von Anfang an nicht ins Spiel gekommen“, sagte Neuhaus. „Die geistige Frische hat uns einfach gefehlt, der Ausgleich war glücklich. Damit sollten wir auf jeden Fall zufrieden sein.“

Der 1. FC Union, bei dem der gesperrte Björn Jopek im Mittelfeld erwartungsgemäß durch Michael Parensen ersetzt wurde, konnte zu keiner Zeit an die Leistung im Stadtderby anknüpfen. Sieht man einmal vom Kopfball von Patrick Zoundi nach schöner Hereingabe von Adam Nemec gleich in der ersten Minute ab, gab es im ersten Durchgang keine zwingenden Möglichkeiten für den Tabellenvierten. „Das war die einzige Chance, zu gewinnen“, sagte Neuhaus.

Die ersatzgeschwächten Ingolstädter waren in der Folgezeit der Führung immer näher. Viel Glück hatte Union, als nach einer Attacke von Haas an Florian Heller in der 36. Minute nicht auf Elfmeter entschieden wurde. „Eine Berührung war auf jeden Fall da“, gestand Haas später, der das Zustandekommen des zweiten Strafstoßes deshalb als „ausgleichende Gerechtigkeit“ bezeichnete. Nach der verdienten 1:0-Führung der Gäste durch Heller nach gut einer Stunde sprach nicht mehr viel für die Unioner, bei denen bereits in Hälfte eins der an der Leiste verletzte Patrick Kohlmann gegen Christian Stuff ausgetauscht werden musste. Der im Sommer 2012 aus Ingolstadt geholte Adam Nemec rettete mit einem Kopfball kurz vor Schluss einen Zähler, der auch in der hektischen Endphase Bestand behielt. Matthias Koch

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