Sport : Glücklich, aber nicht zu sehr

Die Eisbären führen in der Finalserie gegen Mannheim – doch noch spricht niemand vom Titel

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé wirkte sehr angespannt. Als der Trainer der Berliner Eisbären am Freitagabend die Halle im Sportforum Hohenschönhausen verließ, schaute er weder nach links noch nach rechts. Er huschte vorbei an feiernden Fans, die seinen Namen johlten. Die Gedanken des Kanadiers waren anscheinend allein bei einem dramatischen und hochklassigen ersten Finalspiel um die deutsche Eishockeymeisterschaft. Wenige Minuten zuvor hatten die Eisbären die Mannheimer Adler besiegt. „In einem Spiel“, wie Pagé dann nach dem 5:3 sagte, und noch nicht in dreien, was zum Titelgewinn in der Serie „Best of five“ nötig ist. „Wir dürfen nun nicht zu glücklich sein“, sagte der Trainer.

Schließlich muss ein Sieg zum Auftakt einer Serie nicht unbedingt etwas heißen. Die Eisbären haben das in der vergangenen Saison erfahren. Da jubelten trotz eines Berliner Erfolges zum Auftakt der Finalserie drei Spiele später die Frankfurt Lions über den Titel. Es deutet allerdings einiges darauf hin, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Die Eisbären scheinen nach ihrem ersten Erfolg über die Mannheimer Adler in einer besseren Position als im Vorjahr zu sein – auch weil ihr Finalgegner am Freitag schon an seine Grenzen stieß. Nachdem die Adler zehn Minuten lang gekonnt aufgespielt hatten und die anfangs nervösen Berliner 0:2 zurücklagen, verlor Mannheim die Kontrolle über sich und den Gegner. „Die Eisbären waren dann die klar bessere Mannschaft“, konstatierte Mannheims Trainer Stephane Richer. „Für unser Verhalten gibt es keine Entschuldigung, und ich will auch nicht hören, dass wir müde gewesen sind. Wir waren zu undiszipliniert und haben zu viele Strafen kassiert.“

Vier ihrer Treffer erzielten die Eisbären bei Überzahl. „Wenn wir eine Chance haben wollen, müssen wir fünf gegen fünf spielen“, sagt Richer. Doch den Mannheimern war – auch wenn es Richer anders sehen möchte – auch ein Substanzverlust anzumerken: So häufig, wie die Stürmerstars Jochen Hecht, René Corbet und Devin Edgerton auf dem Eis waren, darf das nicht verwundern. In der warmen Eishalle war mancher Mannheimer über jede Spielunterbrechung froh. Schließlich haben die Adler – im Gegensatz zu den Berlinern – eine anstrengende Halbfinalserie über fünf Spiele gegen Frankfurt hinter sich.

Denis Pederson, am Freitag zweifacher Berliner Torschütze, sieht in der körperlichen Frische einen Vorteil für seine Mannschaft. „Mannheim wirkte erschöpft“, sagte der Kanadier. „Sie spielen einen ähnlichen Stil wie wir, laufen sehr viel. Am Ende konnten sie das Tempo nicht mehr halten.“

Das Erkennen der Schwächen des Gegners berge aber nicht das alleinige Mittel zum Erfolg in sich, sagt Pederson. „Wir müssen uns nur auf unsere Stärken konzentrieren.“ Denn eines sei zu befürchten: Mannheim werde sich am Sonntag (14.30 Uhr, Liveübertragung bei Premiere) im eigenen Stadion anders präsentieren als in Berlin. „Da werden wir vermutlich nicht so häufig in Überzahl sein.“ Trainer Pagé, der im zweiten Spiel auf Florian Busch (Schultereckgelenksprengung) verzichten muss, glaubt sogar, dass sich seine Mannschaft beim Spiel in gleicher nummerischer Stärke „noch verbessern muss“. Das Powerplay allein sei nicht der Schlüssel zum Erfolg. Ein Faktor, der in den weiteren Spielen der Finalserie für die Eisbären spricht, ist ihre Charakterstärke. Resignation nach einem Rückstand wie dem am Freitag war bei den Berlinern in den Play-offs dieser Saison noch nie zu spüren.

Zudem bleiben die Eisbären auch nach Erfolgen betont vorsichtig in ihren öffentlichen Einschätzungen. Von der deutschen Meisterschaft sprach am Freitag im Sportforum niemand aus dem Team von Pierre Pagé. Gerade dies war in der Vergangenheit nicht immer so, da feierte mancher insgeheim wohl schon zu früh etwas, das es dann am Ende gar nicht zu feiern gab. Diese Zurückhaltung ist sicher kein Nachteil in den kommenden, maximal noch vier Spielen gegen Mannheim.

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