Sport : Glückliche Familie

Paula Radcliffe siegt beim Marathon in New York

Sebastian Moll

New York - Paula Radcliffe wirkte etwas verloren, wie sie im Zielbereich im Central Park herumtappste. Gerade hatte sie überlegen zum zweiten Mal nach 2004 den New York Marathon gewonnen. Erst als ihr Ehemann Gary Lough mit der neun Jahre alten Tochter des Paares, Isla, über die Absperrungen geklettert kam und die Marathonläuferin ihr Kind in den Armen hielt, überkam sie Freude über das Erreichte. Minutenlang lag sich die Lauf-Familie glücklich in den Armen, während zehntausende Zuschauer auf den Tribünen an der 69. Straße Dauerapplaus spendeten.

Gut 400 Meter vor dem Ziel, als die Athletinnen in den Central Park einbogen, hatte Paula Radcliffe ihre einzige Gegnerin an diesem Tag, die Berlin-Siegerin Gete Wami, abgeschüttelt und damit demonstriert, dass sie nach wie vor im Frauen-Marathon das Maß aller Dinge ist. Das war allerdings vor dem Rennen alles andere als gewiss. Nicht wenige zweifelten daran, dass die Mutterschaft zu Beginn dieses Jahres sowie zwei Überlastungsverletzungen im Anschluss daran Radcliffe ihre Klasse gekostet hatten. Radcliffe selbst wollte davon nichts wissen. Ihre Ausdauer sei seit der Geburt deutlich besser, versicherte sie vor dem Rennen, sie erhole sich schneller von harten Trainingseinheiten und außerdem sei sie als Mutter ein glücklicherer Mensch.

Um so rasch nach der Geburt wieder Weltklasse zu laufen, hatte sich Radcliffe während ihrer Schwangerschaft auf ein sportmedizinisches Experiment eingelassen. Sie hatte ihr Training nur für die letzten Tage rund um die Geburt unterbrochen und vorher lediglich Intensität und Umfang reduziert. Bis die Wehen einsetzten lief sie täglich eine Stunde in einem lockeren Tempo und setzte sich abends noch auf ein stationäres Fahrrad.

Das Männerrennen in New York gewann der Kenianer Martin Lel mit einem Antritt gegen seinen Landsmann Aderrahan Goumri an fast derselben Stelle, an der Radcliffe Wami entwischt war. Bester Deutscher war als 37. Bernd Weis aus Dettingen/Erms. Sebastian Moll

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