Sport : Glückliche Selbstquäler

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Wir sind die Guten. Das könnten die Mitarbeiter der Nationalen Anti-Doping-Agentur von sich sagen. Die Putzkolonne für den sauberen Sport. Nur war der Eindruck von der Nada zuletzt ein anderer: Sie war selbst von einer Staubschicht überzogen.

Einen Schritt dagegen hat die Nada am Mittwoch unternommen und endlich eine moderne Führungsstruktur eingeführt. Bisher hatte sie ein Kuratorium, einen Vorstand und eine Geschäftsführung. Erschwerend kam hinzu, dass sich der Kuratoriumsvorsitzende gerne in viele Dinge einmischt, der Vorstandsvorsitzende früher ein Medaillenzähler war und der Geschäftsführer gerade gekündigt hat. Vom Frühjahr an soll es nur noch einen Aufsichtsrat und einen zweiköpfigen hauptamtlichen Vorstand geben.

Seltsame Menschen wird man auch weiterhin an der Spitze der Nada finden. Denn es gehört schon ein bisschen Selbstquälerei dazu, täglich einen Kampf auszutragen, der einfach nicht zu gewinnen ist. Denn Doping ist immer raffinierter geworden. Und selbst die von Idealisten so gerühmte Prävention ist nicht einmal halb so wirksam, wie sie immer verkauft wird. Trost kommt vor allem aus der Philosophie: dass man sich Sisyphos nämlich als glücklichen Menschen vorstellen muss.

Der Stein, den die Nada ins Rollen bringen muss, wird jedoch nicht kleiner. Und wenn sie dabei keine öffentliche Aufmerksamkeit bekommt, wird sie auch von Politikern und Unternehmern nicht unterstützt. Jetzt haben auch noch Datenschützer aus mehreren Bundesländern erklärt, das Dopingkontrollsystem sei mit seinem Datensammeln rechtswidrig und mit der Prozedur der Urinabgabe sittenwidrig. Wenn sie damit durchkommen, gäbe es kein Dopingkontrollsystem mehr. Dieser Stein würde die ganze Nada überrollen.

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