Sport : Glücksgefühle im Nobel-Skiort

Nach Hilde Gergs Erfolg beim ersten Super-G der neuen Saison in Aspen blickt das deutsche Alpin-Team gelassen in die Zukunft

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Aspen (dpa). Wolfgang Maier war erleichtert. „Das beruhigt schon, das lässt uns Luft für die nächsten Rennen“, sagte der Cheftrainer des Deutschen Skiverbandes. Auch der neue Coach für die SpeedDisziplinen war zufrieden. „Es ist ein sehr großer Stein, der mir vom Herzen fällt“, sagte Andreas Fürbeck. Dafür gesorgt hatte Hilde Gerg. Nach ihrem Sieg im ersten Super-G der alpinen Weltcup-Saison in Aspen können die Verantwortlichen des DSV die kommenden Weltcups wieder etwas gelassener angehen. Zumal Martina Ertl gestern im Slalom mit Platz acht ebenfalls ein respektables Ergebnis erzielte.

Fürbeck, der Nachfolger des beliebten Stephan Kurz, der sich nun um den alpinen Nachwuchs kümmert, hatte damit gleich in den ersten Rennen Erfolg. „Es ist ja kein Geheimnis, dass ihm einige Skepsis entgegengebracht wurde“, sagte Cheftrainer Maier. „Deswegen war das extrem wichtig, weil die Hilde ja auch nicht ein Fan dieser Entscheidung war.“ Gerg sagte: „Ich bin erleichtert, besonders auch für unsere Trainer.“ Die 27-Jährige wusste vor ihrem 15. Weltcup-Erfolg nicht so recht, wo sie steht. „Im Training mit den Italienerinnen und Janica Kostelic war ich meist sieben oder acht Zehntel zurück“, sagte die Super-G-Weltcupsiegerin der Vorsaison.

Doch auf der technisch anspruchsvollen Piste im US-Nobel-Skiort siegte sie dank einer perfekten Zieleinfahrt mit 0,06 Sekunden Vorsprung vor der dreifachen Olympiasiegerin Kostelic aus Kroatien und der Italienerin Isolde Kostner, die 0,11 Sekunden zurücklag. In der Gesamtwertung baute Kostelic mit 264 Punkten ihren Vorsprung aus, Hilde Gerg ist mit 114 Zählern Vierte.

Nicht nur wegen der 33 000 Euro Preisgeld wird Hilde Gerg Aspen in angenehmer Erinnerung behalten. Der Skiort im US-Bundesstaat Colorado war vor zwei Jahren auch Schauplatz ihres Comebacks nach dem Beinbruch. Mit einem langen Nagel im Unterschenkel hatte sie damals einen Platz jenseits der 40 belegt. „Da ist eher der Ski mit mir gefahren als ich mit ihm“, erinnerte sich Hilde Gerg. Im Glücksgefühl des Sieges war auch die Aufregung um die neue Startregel vergessen.

In dieser Saison hat der Internationale Skiverband (Fis) erstmals eine neue Startreihenfolge festgelegt. Die besten Läufer des ersten Durchgangs starten an Nummer 30. Die neue Regel ist eine Reaktion darauf, dass in der Vergangenheit viele Rennen bereits nach dem sechsten oder siebten Starter entschieden waren. Die Rennen waren zu langweilig. Nun müssen die besten Läufer und Läuferinnen mit schwierigeren Bedingungen kämpfen. Normalerweise ist die Piste schlechter, je später der Läufer startet. Die neue Regelung ist auch ein Mittel, um die Überlegenheit der Österreicher bei den Herren zu beenden.

Hilde Gerg war als Siegerin des Super-G- Weltcups mit der vermeintlich schlechten Startnummer 30 als letzte der Favoritinnen ins Rennen gegangen. Doch dank der hervorragend präparierten Piste hatten auch die Läuferinnen, die später starteten, faire Bedingungen. „Meine Zweifel bleiben jedoch, ob sie auch in den nächsten Rennen die Piste so gut hinbekommen“, sagte Cheftrainer Maier. Martina Ertl landet wie im Slalom auch im Super G auf Rang acht. Im Super G wäre angesichts einiger leichter Fehler sogar noch mehr drin gewesen wäre. „Das war ein ordentlicher Einstieg, der ihr weitere Sicherheit geben sollte“, kommentierte Maier, ohne jedoch in übermäßiges Lob zu verfallen. „Sie hat selbst den Anspruch unter die besten zehn zu fahren.“

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