Sport : Go East

Eisbären trennen sich von Nordamerikanern und rekrutieren Verstärkung aus Osteuropa

Claus Vetter

Berlin. Peter John Lee ist um seinen Job manchmal nicht zu beneiden. Zwei Jahre ist es her, da wurde der Manager der Eisbären von den Fans des Berliner Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gnadenlos ausgepfiffen. Bei der Saisonabschlussfeier tobte das Volk: Manager Lee hatte ausgerechnet Publikumsliebling Marc Fortier nach Frankfurt ziehen lassen. „Peter, du bist zu blöd“ – so schallte es damals von den Rängen.

Zwei Jahre später allerdings hat sich erwiesen, dass Lee ganz so blöd nicht gewesen sein kann. Mit Fortier kamen die Eisbären damals nur bis ins Viertelfinale, in der Saison danach mit ihren neuen Spielern ins Halbfinale und nun bis ins Finale, in dem die Berliner dann an den Frankfurt Lions scheiterten.

Peter John Lee ist vielleicht nicht so ein blendender Verkäufer wie sein Trainer Pierre Pagé, dafür arbeitet er nicht minder akribisch. Freizeit hat Lee nicht viel, auch nicht jetzt, da sich nach der bitteren Finalniederlage der Eisbären der Großteil seines spielenden Personals mit der Urlaubsplanung befasst. Bereits am Mittwoch reist Lee zur Schweizer Nationalmannschaft, wo er im Nebenjob als Kotrainer beschäftigt ist. Doch schon vor der am Freitag beginnenden Weltmeisterschaft in Tschechien hat er seine Planung für die kommende Saison fast schon abgeschlossen. Dass Nationalmannschaftskapitän Stefan Ustorf (zuvor Krefeld) künftig für die Eisbären spielen wird, steht fest. Sicher ist auch, dass die Eisbären künftig die nordamerikanische Schiene ein wenig verlassen werden und sich daher auch auf dem osteuropäischen Markt umgesehen haben, besonders in der tschechischen Liga. „Ein paar Kracher“ hat Lee da nach eigenen Angaben schon unter Vertrag genommen, und die werden „jünger sein“ als viele der jetzigen Eisbären-Spieler. „Die Namen wollen wir allerdings erst im Mai nach der WM verraten.“

Wer die Eisbären verlassen wird, ist hingegen in sechs Fällen klar. David Roberts und Yvon Corriveau werden mit der Düsseldorfer EG in Verbindung gebracht. Brad Bergen wird künftig für den Zweitligisten Duisburg verteidigen. Darryl Shannon beendet seine Karriere, Keith Aldridge bekommt keinen neuen Vertrag, und wo Rich Parent in der nächsten Saison im Tor steht, ist noch ungewiss, keinesfalls jedoch in Berlin.

Spielraum für Neuverpflichtungen ist also vorhanden – auch wenn in der kommenden Saison in der DEL nur noch elf statt bisher zwölf Ausländer auf dem Spielberichtsbogen stehen dürfen. Im Kader allerdings sind weiterhin zwölf Spieler aus dem Ausland erlaubt. Gut möglich also, dass die Eisbären während des als sicher geltenden Streiks in der nordamerikanischen Profiliga NHL noch tätig werden. „Wenn sich da einer anbieten sollte, werden wir auf jeden Fall etwas versuchen“, sagt Peter John Lee.

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