Gojko Kacar : Herthas Kraftzentrum

Beim 1:0-Sieg in Mönchengladbach zeigt Herthas Gojko Kacar seine vielfältigen Qualitäten.

Stefan Hermanns[Mönchengladbach]
Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC 0:1
Kämpfen und jubeln. Kacar, Raffael.Foto: dpa

Es lässt sich alles regeln, man muss nur miteinander reden. Gojko Kacar erinnerte sich gerade noch rechtzeitig daran, dass die Verständigung mit Marko Marin für ihn kein Problem darstellen dürfte. Der kleine Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach ist in Bosnien geboren, Kacar Serbe, also sprach er Marin in seiner Muttersprache an. „Halt dich mal ein bisschen zurück“, sagte Kacar zu Marin, dem flinken Dribbler, der ihn in der Anfangsphase des Bundesligaspiels zwischen Gladbach und Hertha BSC einige Male flockig hatte stehen lassen. „Ist okay“, antwortete Marin.

So viel Höflichkeit hätte man Gojko Kacar von Hertha BSC gar nicht zugetraut. Normalerweise rauscht er ohne Anstand in seine Gegenspieler, stibitzt sich den Ball und leitet umgehend den eigenen Angriff ein. Der Serbe ist in seinen besten Momenten ein perfekter Umschaltspieler. Doch mit Marin hatte Kacar anfangs einige Schwierigkeiten: Bevor er rauschen konnte, war Marin mit dem Ball meistens schon an ihm vorbeigedribbelt. Aber nach und nach bekamen die Berliner auch dieses Problem in den Griff. Der Offensivmann Raffael beteiligte sich auf seiner Seite stärker an der Defensivarbeit, stellte sich Marin als erstes Hindernis in den Weg, den Rest erledigte dann der unerbittliche Arne Friedrich. „Die Ordnung stimmt“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß.

Die Ordnung der Spiele

Gojko Kacar ist im Spiel des Berliner Fußball-Bundesligisten der vielleicht entscheidende Ordnungsfaktor. Seit Anfang des Jahres spielt er für Hertha BSC, und schon in seiner ersten Halbserie für die Berliner hat sich der Serbe eine beachtliche Stellung innerhalb der Mannschaft erarbeitet – mit gerade 21 Jahren. „Ich hätte nicht erwartet, dass ich in der Bundesliga schon so viel spielen würde“, sagt Kacar selbst. Seit seiner Ankunft im Winter gehört er zu Herthas Stammelf, in allen 22 Spielen stand er auf dem Platz, immer in der Anfangsformation. Es ist längst keine Frage mehr, ob Kacar spielt; die einzige Frage lautet, wer neben ihm aufläuft: Nach Mineiro, Pal Dardai und Fabian Lustenberger scheint Kacar nun mit dem Brasilianer Cicero einen passenden Partner an seiner Seite zu haben.

„Er hat seine Position gefunden“, sagte Trainer Lucien Favre über den Brasilianer. Cicero war es, der am Samstag im Borussia-Park nach zehn Minuten mit seinem Pass in die Spitze die Gladbacher Viererkette pulverisierte. Kacar fand sich unverhofft völlig frei vor dem Tor wieder und erzielte mit einem Flachschuss ins lange Eck den Treffer zum frühen 1:0-Endstand. „Er ist ein Spieler, der beides kann“, sagte Dieter Hoeneß. „Einer, der aggressiv verteidigt und auch gute Möglichkeiten nach vorne hat.“ Im Moment glänzt Kacar vor allem mit seinen offensiven Qualitäten. Vor einer Woche gegen Wolfsburg erzielte er sein erstes Saisontor, in Mönchengladbach ließ er sein zweites folgen, und in der serbischen U 21 hat er beim 8:0-Sieg gegen Ungarn fünf Tore geschossen.

"Die Dinge fallen mir leichter"

Das Mittelfeld mit Kacar und Cicero als Ordnungshüter und den Offensivspielern Raffael, Ebert, Piszczek oder Nicu ist auf dem besten Weg, wieder Herthas Kraftzentrum zu werden. „Wir haben ein paar Spieler, die nach vorne gefährlich sind“, sagte Manager Dieter Hoeneß. „Das entlastet die Stürmer.“ Marko Pantelic und Andrej Woronin fanden in Mönchengladbach schwer ins Spiel; Pantelic hatte in der zweiten Halbzeit wenigstens eine gute Chance, Woronin hingegen gelangte kein einziges Mal zum Abschluss – trotzdem wirkte Hertha keineswegs harmlos. „Dass die Torgefahr aus dem Mittelfeld erhöht werden konnte, ist gut für uns alle“, sagte Trainer Lucien Favre. „Wir sind auf einem guten Weg.“

Das gilt auch für Gojko Kacar. „Ich habe mehr Erfahrung“, sagt er. „Die Dinge fallen mir leichter.“ Allerdings macht ihm sein Körper im Moment ein wenig zu schaffen. Die Belastung mit Spielen alle drei Tage ist noch neu für Kacar, in Mönchengladbach musste er nach einer Stunde ausgewechselt werden, weil er Krämpfe in beiden Beinen verspürte. Kacar sieht auch das als Teil eines Lernprozesses. Er wisse selbst, welche Fehler er mache: dass er manchmal noch zu viel laufe und sich nicht gut genug ernähre. „Gojko muss noch viel lernen“, sagt Dieter Hoeneß. „Aber er ist auch ein Spieler, der lernen will.“ Seine nächste Lektion lautet: richtig essen.

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