Gojko Kacar : Weltkarriere nicht ausgeschlossen

Hertha BSC und Serbiens Nationalmannschaft hoffen auf Gojko Kacar, 21. Doch der Mittelfeldspieler droht zum Rückrundenstart in eineinhalb Wochen gegen Eintracht Frankfurt auszufallen.

Sven Goldmann[Marbella]
Kacar klein
Frottee statt Fußball. Gojko Kacar ist noch nicht wieder fit. -Foto: City-Press

Niemals gehen, wenn’s am schönsten ist. Marco Pantelic und Gojko Kacar wussten sehr wohl, was sie taten, als sie im Trainingslager von Hertha BSC in Marbella noch ein Weilchen am Kabinenhäuschen verharrten, während die Kollegen im Mannschaftsbus saßen und auf die Abfahrt ins Quartier warteten. Erst nach lautstarker Aufforderung von Kotrainer Harald Gämperle lösten sich die beiden von ihrem Gesprächspartner, einem Herrn im dunkelgrünen Anzug mit graumeliertem Haar. „Sorry, Harry“, rief Pantelic und warb mit erhobenen Armen um Verständnis. Schließlich plauderten sie da nicht mit irgendwem, sondern mit dem Chef höchstpersönlich. Mit Nationaltrainer Radomir Antic, den sie daheim in Serbien ähnlich verehren wie die Argentinier ihren Diego Maradona.

"Gojko steht vor einer ganz großen Zukunft"

Antic ist eine Legende, nicht nur auf dem Balkan. Der frühere jugoslawische Nationalspieler ist der einzige Trainer, der en suite die spanischen Spitzenmannschaften Real Madrid, Atletico Madrid und FC Barcelona betreut hat. Dass im Januar für ein paar Tage nach Marbella gekommen ist, empfanden Pantelic und Kacar als kaum zu steigernde Ehre. Im Gegenzug schwärmte Antic, er sei „contentissimo“, im höchsten Maße zufrieden mit Herthas Serben. Vor allem mit Gojko Kacar, dem 21 Jahre alten Mittelfeldspieler, der vor einem Jahr aus Novi Sad nach Berlin gekommen ist. „Gojko steht vor einer ganz großen Zukunft in einer der ganz großen europäischen Ligen.“

Kacar freute sich über dieses Kompliment und konnte ihm doch nicht ganz zustimmen, „ich spiele doch schon in einer ganz großen Liga, und Hertha ist ein großer Klub, immerhin stehen wir auf Platz drei in der Bundesliga“. Ja, sagte Antic, das sei etwas dran, „der Wechsel nach Berlin war eine gute Sache für Gojko, er hat hart an sich gearbeitet und viel gelernt. Ich glaube, es gibt zurzeit wenig Spieler in seiner Altersklasse, die das Spiel aus dem defensiven Mittelfeld so sehr dominieren können.“ Gemeinsam mit dem Brasilianer Cicero steht Kacar für den neuen, dynamischen Stil, mit dem Hertha in dieser Saison über die Bundesliga gekommen ist. Mit jeweils fünf Toren führen beide die vereinsinterne Schützenliste an.

Kann er im ersten Rückrundenspiel gegen Frankfurt auflaufen?

So ist es vor allem Kacars momentaner Unpässlichkeit geschuldet, dass Hertha nicht ganz sorgenfrei in die am kommenden Wochenende beginnende Rückrunde geht. Im letzten Spiel der Hinrunde hatte er bei einem Zusammenprall mit dem Karlsruher Torhüter Markus Miller einen Bruch des Schienbeinkopfes erlitten. „Diese Verletzung ist gut verheilt“, sagt Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher, „aber beim Aufbautraining ist die Reizung einer Sehne im Fuß dazugekommen.“ Trainer Lucien Favre hofft noch, Kacar im ersten Rückrundenspiel am 31. Januar gegen Eintracht Frankfurt einzusetzen, „vielleicht reicht es für die letzten 20 Minuten“. Das aber erscheint nach der Diagnose des Mannschaftsarztes eher unwahrscheinlich. „Vielleicht kann Gojko Ende der nächsten Woche wieder in Mannschaftstraining einsteigen“, sagt Schleicher.

Beim Trainingslager in Marbella vertrieb der Rekonvaleszent sich die Zeit in den vergangenen zehn Tagen bevorzugt mit leichten Lockerungsübungen. Kacar weiß, dass er Geduld haben muss, schließlich hat er in dieser Saison noch viel vor. Mit Hertha, aber auch mit der serbischen Nationalmannschaft, die bis zur Sommerpause noch dreimal in der WM-Qualifikation antreten muss. Außerdem hofft er auf eine Teilnahme an der U-21-Europameisterschaft in Schweden. Im vorentscheidenden Qualifikationsspiel erzielte Kacar beim 8:0 gegen Ungarn gleich fünf Tore. Schon wird der Berliner Serbe mit dem Spanier Bojan Krkic (FC Barcelona) und dem Deutschen Toni Kroos als kommender Star des Turniers gehandelt. Kacar will die EM auf keinen Fall verpassen, „das ist meine Mannschaft, wir sind zusammen groß geworden“, aber weil er mittlerweile noch ein Stückchen größer ist als die anderen, ist seine Reise nach Schweden denkbar fraglich geworden. Nationaltrainer Antic hob bei seinem Besuch abwehrend die Hände – „ich kann das nicht garantieren, denn Gojko ist sehr wichtig für die A-Mannschaft“, und die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika gehe natürlich vor.

Derzeit steht Serbien mit neun Punkten an der Spitze der Qualifikationsgruppe 7, der große Favorit Frankreich hat ein Spiel weniger, liegt aber schon fünf Punkte zurück. Am 6. Juni geht es gegen Österreich, am 10. Juni gegen die Färöer, und schon sechs Wochen später steigt in Helsingborg der serbische EM-Auftakt gegen Italien. Ein zu ehrgeiziges Programm für einen, der die gesamte Vorbereitung auf die Rückrunde verpasst hat? Ach was, meint Herthas Mannschaftsarzt Schleicher, „der Bursche ist jung und ehrgeizig, grundsätzlich sehe ich da kein Problem“.

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