Sport : Gold für Deutschland

Wie die Fifa sich mit dem Gastgeber versöhnen will

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Lennart Johansson zeigt in den Himmel. „Wir sollten uns ein Beispiel am Wetter nehmen“, ruft der Präsident des europäischen Fußballverbandes Uefa. „Es sind ein paar Wolken zu sehen, aber die Hauptsache ist, dass die Sonne scheint.“ Dann betritt Johansson das Messezentrum München. Drinnen brennt künstliches Licht.

Willkommen beim 56. Kongress des Weltverbandes Fifa: Präsident Joseph Blatter flaniert über einen roten Teppich und spricht über die soziale Verantwortung des Fußballs, wahlweise auf Englisch, Französisch oder Spanisch. Dann sagt er auf Deutsch: „Ich bin hier eigentlich herzlich empfangen worden.“

Es ist keine einfache Beziehung bei dieser Weltmeisterschaft zwischen ausrichtendem Verband und veranstaltendem Land. Im Münchner Nobelhotel „Bayerischer Hof“, in dem sich die Funktionäre niedergelassen haben, warnt vor der „Fifa Lounge“ ein Schild: „Geschlossene Gesellschaft“. Wie ein Gegensymbol prangen im Stadtzentrum am Haus der Kunst die Buchstaben der Allianz-Arena, die vom „Fifa WM Stadion München“ abmontiert werden mussten, weil die Allianz kein WM-Sponsor ist. „Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn das Stadion seinen Namen behalten hätte“, sagt Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). „Aber wenn der Ball rollt, sind diese Dinge sowieso vergessen.“

Kurz vor dem Anstoß versuchen das offizielle Deutschland und die Fifa Frieden miteinander zu schließen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bedankt sich zur Kongresseröffnung artig für die „erfolgreiche Zusammenarbeit“. Dass der Fifa Steuergeschenke und Visa-Erleichterungen zugestanden werden mussten, dass es bis zuletzt gegenseitige Schuldzuweisungen beim Ticketverkauf gab – geschenkt. „Nun wollen wir ein spannendes, faszinierendes und fröhliches Fußballfest feiern“, sagt Merkel, die langsam Gefallen am Spiel zu finden scheint. Um das Interesse noch zu steigern, überreicht Blatter ihr die goldene Fifa-Medaille mit den Worten: „Sie haben eine Goldmedaille verdient.“ Rauschender Beifall.

Blatter bemüht sich um perfekte Bilder. Umrahmt von Feuerwerk und Breakdanceshow betritt er die Bühne über eine Showtreppe und gibt sich anschließend lernwillig. „Die Fifa stand immer wieder in der Kritik, oft zu Unrecht, manchmal zu Recht“, sagt Blatter und ruft die Delegierten zu mehr Transparenz auf. „Der Fußball befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen ethischen Idealen und wirtschaftlichen Interessen, denen er sich manchmal nicht zu entziehen vermag.“ Blatter spielt damit auf die Kommerzialisierungskritik an, die ihm von WM-Organisationschef Franz Beckenbauer entgegenschlug. Nach der WM könnte das Thema den organisierten Fußball intensiver beschäftigen.

„Nur durch Reform bleiben wir in Form“, ruft Blatter zum Abschluss. Merkel applaudiert, der Satz hätte auch von ihr sein können. Dann verlässt die Bundeskanzlerin den Kongress. Aus dem Auto sieht sie die Sonne.

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