Sport : Gold, Silber, Beulen

Medaillen und Blessuren für deutsche Schwimmer

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Montreal Als Thomas Lurz wieder an Land geklettert war, dachte er zuerst an ein Getränk. „Ich trinke nicht gern Bier, aber bei dem Weltmeistertitel kann man schon eine Ausnahme machen“, sagte der 25-jährige Student aus Würzburg. Die Grundlage für Lurz’ Bierlaune bildete das Langstreckenschwimmen über fünf Kilometer bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Montreal, in dem er nach 51:17,2 Minuten als Erster angeschlagen hatte. Die zweite Medaille für Deutschland am ersten Wettkampftag erreichten die Synchronspringer Tobias Schellenberg und Andreas Wels, die am Drei-Meter-Brett Silber holten. Die Silbermedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele in Athen belegten mit 364,59 Punkten den zweiten Platz hinter den Chinesen Wang Feng und He Chong (384,42). Die Weltmeisterschaften haben damit für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) erfolgreich begonnen – auch wenn sich eine andere Medaillenhoffnung des Sonntags nicht erfüllt hatte.

Nach ihrem sechsten Platz über 5 Kilometer stieg Britta Kamrau wütend aus dem Wasser. „Es war eine einzige Prügelei“, sagte die 26 Jahre alte Rostockerin in Anspielung auf die recht rauen Methoden unter der Oberfläche der 2,5 Kilometer langen Strecke im St.-Lorenz-Strom. Langstrecken-Trainer Christian Bartsch war dennoch insgesamt mit dem Auftakt zufrieden: „Das war eine Superleistung von Thomas. Wir haben unser Soll erfüllt.“

Lurz hatte bei Regen, drückender Hitze und Wassertemperaturen von mehr als 27 Grad seinen vorher ausgearbeiteten Plan nie aus den Augen verloren. „Meine Taktik ist aufgegangen“, stellte er fest. Bis 1500 Meter vor dem Ziel hatte er sich zurückgehalten – dann zog er einen beeindruckenden eineinhalb Kilometer langen Schlussspurt an. „Zum Schluss war es ganz schön schwer“, sagte Lurz, „ich musste schon ans absolute Limit gehen.“ Aber es reichte. Im Ziel hatte Lurz 1,6 Sekunden Vorsprung vor dem US-Amerikaner Chil Peterson. Der Leipziger Toni Franz wurde Siebter.

Britta Kamrau hatte schon alle Titelchancen verloren, als bei den Frauen der Schlusssprint eingeleitet wurde. Die Weltmeisterin über 10 und 25 Kilometer kam mit 38,2 Sekunden Rückstand auf die Titelverteidigerin Larisa Ilschenko aus Russland (55:40,1 Minuten) ins Ziel. Zweite wurde Margy Keefe aus den USA vor der Niederländerin Edith van Dijk. „Die Amerikanerin hätten sie gleich fünfmal rausnehmen müssen“, stellte Kamrau fest, „die hat mich mehrere Male am Knöchel gehalten und zurückgezogen. Aber der Schiedsrichter war ja auch ein Amerikaner.“ Es spricht für Kamrau, dass sie die Schuld für die verpasste Medaille nicht ausschließlich beim Schwimmstil ihrer Konkurrentinnen suchte. „Ich bin auch nicht besonders toll geschwommen“, gab sie zu. „Auf der letzten Bahn konnte ich nicht mehr mithalten.“

Trainer Bartsch machte Britta Kamrau trotz des schmerzhaften Auftakts Mut. „Die Grundlage haben wir gelegt“, sagte er. Die Rostockerin gewann ihren Kampfgeist nach einer kurzen Phase der Enttäuschung zurück: „Meine größten Chancen sehe ich über 25 Kilometer.“

Thomas Lurz rechnet sich ebenfalls noch Siegchancen in anderen Wettbewerben aus. Bei den Langstrecken-Weltmeisterschaften 2004 in Dubai hatte er über zehn Kilometer den Titel geholt, am Mittwoch steigt er wieder über diese Distanz ins Wasser. „Natürlich will ich den Titel verteidigen“, sagte Lurz. Und wieder feiern. Selbst wenn er eigentlich gar kein Bier mag.dpa

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