Sport : Gold unter den Füßen

Wie Werder Bremen sich auf das Spiel gegen Barcelona in der Champions League vorbereitet hat

Steffen Hudemann[Bremen]

Die Blicke der soeben gelandeten Passagiere bewegten sich zwischen Freude und Entsetzen. Da waren sie für ein paar Tage auf Mallorca gewesen, und bei ihrer Ankunft gestern auf dem Bremer Flughafen empfing sie ein Heer von Fotografen, Journalisten und zahlreichen bunt gekleideten Menschen. Die Aufregung galt allerdings nicht den Touristen, sondern dem unmittelbar danach eintreffenden Spanair-Flug 4803. An Bord: die Mannschaft des FC Barcelona, angereist zum Champions-League-Spiel bei Werder Bremen (heute, 20.45 Uhr, live bei Sat 1).

Werders Sportdirektor Klaus Allofs hatte noch am Vortag versucht, die Hysterie zu dämpfen: „Wir werden für Barcelona keinen roten Teppich ausrollen.“ Von dem wäre auch nicht viel übrig geblieben, so sehr stürzten sich Medien und Fans auf die Spieler. hatte Mühe, mit seinem Rollköfferchen zum Mannschaftsbus zu gelangen. Der ganze Aufruhr mag auch damit zu tun haben, dass der FC Barcelona in der Vergangenheit nicht besonders häufig in Bremen gewesen ist. Einmal bisher. Nach Wunsch der sportlich Verantwortlichen in Bremen soll sich das aber ändern, weshalb sie die Aufgaben in der Champions League im Gegensatz zu den Fans mit professioneller Souveränität angehen. Ob nun die Profis des FC Barcelona aus dem Flugzeug steigen oder die von Panathinaikos Athen macht für Allofs keinen großen Unterschied – „die haben ja auch nur zwei Beine und einen Kopf.“

Vor einem Jahr war die Champions League für Werder noch ungewohntes Gelände. Nach achtbarem Beginn endete das Unternehmen mit einem Debakel. Gegen Olympique Lyon verlor Werder im Achtelfinale 0:3 und 2:7. Die Mannschaft habe in der vorigen Saison viel dazugelernt, sagt Allofs. „Die Spieler wissen, dass auch in der Champions League nur Fußball gespielt wird. Nur schneller als in der Bundesliga.“

Der gute Start in die Bundesligasaison mit zehn Punkten aus vier Spielen sagt daher nur bedingt etwas darüber aus, ob die Mannschaft reif ist für höhere Aufgaben. Eine Abwehr, die gegen Carsten Jancker und Halil Altintop besteht, kann gegen Ronaldinho und Eto’o trotzdem schlecht aussehen. Oder wie es Frank Baumann ausdrückt: „Barcelona ist ein bisschen stärker als Kaiserslautern.“ Die Verteidiger Christian Schulz, Naldo, Patrick Owomoyela und Petri Pasanen sind im Schnitt 23,5 Jahre alt. Trainer Thomas Schaaf bleibt deshalb nur Optimismus: „Hier haben schon einige viel angekündigt und sind anschließend wieder nach Hause gefahren. Wichtig ist, dass wir an uns glauben.“

Die Fans tun das ohnehin. Vor zwei Wochen campierten manche Anhänger die ganze Nacht vor der Geschäftsstelle, um Restkarten zu ergattern. Auch Nelson Valdez, der heute für den gesperrten Miroslav Klose stürmen darf, denkt seit der Auslosung ständig an dieses Spiel. Schließlich wird die Begegnung auch in Paraguay, der Heimat von Valdez, live übertragen. Sein ganzes Dorf wird vor dem Fernseher sitzen. Der junge Angreifer hat sich noch schnell neue goldfarbene Stollen für seine goldfarbenen Fußballschuhe bestellt. Man kann ja nie wissen.

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