Sport : Gold versilbert

Michael Rich ist beim Zeitfahren der Rad-WM lange vorn, wird dann aber noch überholt

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Von Hartmut Scherzer

Zolder. Wer Lance Armstrong im Zeitfahren der Tour de France schlägt, der kann auch Weltmeister werden. Der Kolumbianer Santiago Botero wurde in Zolder diesem Anspruch gerecht und gewann bei der WM im Kampf gegen die Uhr. Sein hartnäckigster Konkurrent war in Abwesenheit des Titelverteidigers Jan Ullrich ein anderer Deutscher: Michael Rich aus Emmendingen.

Wie schon vor zwei Jahren fehlten dem 33-jährigen vom Team Gerolsteiner nur wenige Sekunden zum Titel. „Zusammen sind es jetzt achtzehn Sekunden, um die ich zwei Weltmeistertitel verloren habe", rechnete Rich vor. Diesmal fehlten acht Sekunden. „Das Trikot des Weltmeisters hätte ich gerne angezogen“, sagte Rich. Bei aller Freude über den zweiten Platz – er war enttäuscht.

Was sollte da erst der als Mitfavorit gestartete zweite Deutsche sagen? „ So ein Mist“, fluchte Uwe Peschel im Umkleidewagen, während sein Teamgefährte neben Botero und dem Spanier Igor Gonzalez de Galdeano (Dritter) auf dem Siegerpodium gefeiert wurde. Peschel, vor drei Wochen noch Gewinner des prestigeträchtigen Grand Prix des Nations, hatte diesmal Pech. Nach neun Kilometern brach der Kettenüberwerfer an seiner Schaltung. Peschel musste das Rad wechseln und war danach, wie er traurig sagte, „nicht mehr stark genug, den Schlag wegzustecken“. Das neue Rad war ungewohnt, „es war nicht mein eigenes“. Trotz des Malheurs wurde der im Allgäu lebende Berliner noch Fünfter.

Auf dem flachen 40,4-Kilometer-Kurs siegte Botero in 48:08,45 Minuten. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug exakt 50,352 Kilometer pro Stunde. Botero hatte Armstrong in Lorient die erste und bisher einzige Niederlage bei einem Zeitfahren beigebracht. Nun kostete er seinen erneuten Triumph aus. „Der ebene Kurs war perfekt für mich", sagte der Sieger.

Michael Rich war nach dem Rennen natürlich nicht derart gut gelaunt. Dabei hatte er auf der Strecke viel Ansporn von hinten erhalten. Über die Lautsprecher aus dem Begleitfahrzeug schrie sein Sportlicher Leiter Hans Holczer immer wieder: „Bestzeit, Michael, Bestzeit. Fahr zu! Gib alles!“ Allerdings: Zum Zeitpunkt der flammenden Anfeuerung lagen noch vier Kilometer vor Michael Rich und noch zehn Fahrer hinter ihm. Auf dem ersten Teil der Strecke war der gebürtige Freiburger der Schnellste gewesen, doch letztlich hatte Santiago Botero mehr Kraft in den Beinen.

Bei der Siegerehrung wollte sich Rich dann aber nicht mehr ärgern. Als er die Silbermedaille überreicht bekam, strahlte, lachte und winkte er. „Zwei Monate habe ich auf dieses Rennen hin gearbeitet und auf eine Medaille gehofft“, sagte Michael Rich. „Hinter mir liegt viel Schweiß.“

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